app2music_DE: Böckler-Beats – Im Statthaus statt zu Haus

Erik Noack | 7. Juni 2018

Mittlerweile fanden bereits die ersten Termine der Berliner Nachmittagsangebote im Statthaus Böcklerpark im Rahmen von app2music_DE bei Kultur macht Stark statt. Wir wollen euch natürlich nicht vorenthalten, wie es mit der Konzeption und Durchführung dieses offenen AG-Angebotes der Freizeiteinrichtung aussah.

Die App „Playground“ eignet sich nicht nur zum spontanen Ausprobieren von Songideen, es macht auch das Erkunden von einzelnen Klang-Parameter sehr einfach. // Foto: Erik Noack

Die ersten Termine gestalteten sich als Pilotphase, da wir uns auf einige unbekannte Faktoren einstellen mussten: Wie viele Kinder würden erscheinen? Wie alt sind die Kinder und welche musikalischen Interessen herrschen vor? Wird es Kinder geben, die regelmäßig kommen und mit denen wir kontinuierlich arbeiten können?

Das Konzept

Zum ersten Termin wurden wir regelrecht überrannt und hatten daher eine Gruppengröße von rund 13 Kindern, wobei wir mit maximal acht Teilnehmer_innen gerechnet hatten. In unseren Vorüberlegungen wollten wir uns auf ein musikalisches Genre zu fokussieren, um davon ausgehend die Kernidee abzuleiten: Selber Texte schreiben und Rappen stand auf dem Plan. Hip-Hop war der Aufhänger und Beats produzieren sollte im Vordergrund stehen. Die eigenen Texte sollten dabei individuelle Alltagserfahrungen der Kinder aufgreifen und vermitteln.

Und so sehen dann die Lyrics aus. // Foto: Erik Noack

Mit unserem Musikmach-Angebot und dem Thema „Hip-Hop Alltagsgeschichten“ trafen wir voll ins Schwarze, jedoch waren die Teilnehmer_innen weitaus jünger als erwartet. Dann kam noch die Herausforderung hinzu, dass die Teilnehmerzahl ständig fluktuierend war. Anders als bei app2music-AGs an Schulen mit einer festen, regelmäßigen Gruppe war die Situation im Statthaus Böcklerpark offen gerahmt. Kaum ruft jemand: „Eis ist fertig“, rennen drei Kinder sofort aus dem Raum. Da bedarf es einem klaren Konzept und herausfordernden Aufgaben, um alle bei der Sache zu halten.

Beats erkunden mit der App Playground. // Foto: Erik Noack

Die ursprüngliche Idee bestand darin, zu Beginn die Funktionen eines „Drumsequencers“ anhand der App DM1 zu vermitteln: Rhythmen komponieren, Drum-Samples auszutauschen und die Effekte anzuwenden – so sollte die Idee weitergeführt werden. Doch es stellte sich heraus, dass dieses Vorhaben aufgrund des Alters (hier 9 bis 11jährige) und der hohen Teilnehmer_innenzahl (rund 13 Kinder, 6 iPads) nicht passte. Das Interesse an Hip-Hop wurde mehr als deutlich und als Basis verwendet. Der Fokus rutschte dabei vom Produzieren hin zum live Musizieren.

„Get the Mic!“

Plan B

Wir griffen deswegen auf Plan B zurück: Die Tablets wurden mit der App Jambl konfiguriert und über Ableton Link verbunden, damit sich mehren Geräten auf ein Tempo und ein gemeinsames Metrum synchronisierten. Eine Gruppe aus zwei bis drei Kindern arbeitete immer zusammen an einem Tablet. Neuankömmlinge konnten sich dazugesellen und sofort einsteigen. Unser Hauptaugenmerk lag zunächst darauf, aufeinander Acht zu geben und zuzuhören. In bestimmten Zeitintervallen veränderten sich phasenweise die Beats, so entstanden einzelne Formteile.

Zum Beispiel: Alle spielen Drums. Durch Kommandos werden die Funktionen / Parameter der App erkundet (links=langsam, rechts=schnell, oben und unten=verschiedene Instrumente wie Bass, Snare oder Tonhöhen). Dann schlüpft eine/einer der Teilnehmenden in die Rolle des Dirigenten. Ziel dabei war es, Dynamik hautnah zu erleben, aber auch Einfluss auf den gemeinsamen Beat zu nehmen und Achtsamkeit zu trainieren und etwa Platz für Soli zu machen (Stille, wenn Stille gefordert ist).

In diesem Video kann man sehen, wie die App Jambl (die zuerst polyjamer hieß) funktioniert:

Der nächste Schritt sah kurze Improvisationen nach dem Rotationsprinzip (im Uhrzeigersinn) und anschließend nach Aufforderung (Dirigat) vor. Sozusagen ein kleines Frage-Antwort-Spiel!
Anschließend wurden Bands gegründet! Wer spielt Drums, wer Bass, wer Melodie? Wieder erfolgte zuerst ein gleichzeitiges Erproben, um anschließend eine Song-Struktur und Reihenfolge festzulegen. Nun stand im Vordergrund, den Aufbau eines Songs zu gestalten und wenn möglich sogar schon parallel dazu zu texten.

Das folgende Video gibt einen knappen Eindruck von diesem Prozess:

Gegen Ende wurde nochmal eine Gruppenarbeit gestartet (zwei Kinder mit Kopfhörern pro Tablet). Dabei wurde an individuellen Kompositionen gearbeitet und die Loop-Funktion der App erkundet, um am Ende den anderen die einzelnen Stücke präsentieren zu können.

Somit konnte die ursprüngliche Idee auf einzelne musikalische Parameter sowie Sinn und Struktur zu achten (Groove, Rhythmus und Dynamik bzw. Minimalismus vs. Maximalismus) beibehalten werden. Die folgenden AG-Sitzungen sahen nun eine ähnliche Herangehensweise vor und natürlich entstanden nicht nur reine Hip-Hop-Tracks.

Ausblick

Nach und nach nahmen wir weitere Apps wie Thumbjam, Soundprism oder Snap hinzu, um damit Melodien zu spielen, passende Akkorde zu finden und letztlich individuellere Gestaltungsformen zu ermöglichen. Aber auch das live Musizieren wird für die teilnehmenden Kinder immer anspruchsvoller – aber diese Herausforderung nehmen sie gern an um virtuoser und wirkungsvoller zu musizieren.

Wie es mit unserer AG weiterging, erfahrt ihr bald in unserem nächsten Beitrag.

Euer Erik mit Antoine, Carlos, Lukas, David und anderen Unterstützern

 

…ist Gitarrist und Songwriter. Maßgeblich beeinflusst ist er durch Heavy-Metal-Musik sowie dem „shredgenre“. Er ist größtenteils Autodidakt mit Weiterbildung an der Jazzschule Berlin und viel Liveerfahrung im Rock und Metalkontext: u. a. durch zahlreiche Festivalauftritte mit der „Maximaltechnogruppe“ Schluck den Druck. Seit April 2015 leitet er an Berliner Grundschulen Appmusik-AGs und ist begeistert von den digitalen und didaktischen Möglichkeiten in Bereich Songwriting und Bandarbeit, was mit Kindern ohne besondere musikalische Vorerfahrungen toll läuft. Soundprism sowie ThumbJam im „cello“-Mode begeistern ihn in Sachen Appmusik ganz besonders.



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