app2music_DE: Wie kommt man vom „Rumspielen“ zum Musik machen?

app2music_DE | 9. Mai 2018

Meine Idee für die erste AG-Sitzung bei app2music_DE in Halle war es, dass anfangs alle Kinder ein bisschen Zeit bekommen sollten, um die App selbstständig zu erkunden und herauszufinden, wie und welche Art von Musik man damit machen kann. In diesem Fall ging es um die App „SNAP“, die sich auf Rhythmus konzentriert und relativ übersichtlich aufgebaut ist. Das Ergebnis: zwar Begeisterung für die Möglichkeiten der App und die Klänge, die sich damit erzeugen lassen, aber vorrangig unkoordiniertes „Rumspielen“ und wahlloses Hoch- und Runterschieben der Balken. Differenzierte Funktionen (wie z.B. die Möglichkeit das Tempo zu variieren) wurden dabei nicht ohne Hilfe gefunden und mussten im Nachhinein in einer Austauschrunde gezeigt werden.

Beitrag von Christine Schulz | aus dem app2music_DE-Team Halle

Die App SNAP (by Reactable) bietet eine übersichtliche Drum-Machine-Oberfläche mit guten Sounds. Sie ist sowohl für Android (Googel Play) als auch für iOS (Apple App-Store) kostenlos verfügbar. Foto: Julian Quack

Ich habe schon in einigen Blogbeiträgen gelesen, dass die Verwendung der App eine Herausforderung darstellt, wenn man mit Kindern komponieren will.

Kinder sind aus ihrer Freizeit einen anderen Umgang mit Apps gewohnt

Mein Eindruck aus der ersten Appmusik-AG ist, dass viele Kinder und Jugendliche mit Apps auf dem Smartphone meist Spiele, Unterhaltungsangebote und soziale Netzwerke assoziieren (Ausnahmen bestätigen die Regel). Meine Schlussfolgerung: Bei der Durchführung der AGs sollte bedacht werden, dass der bewusste Umgang mit Apps erst erlernt werden muss, um wirklich Musik damit zu machen. Und das heißt vor allem: Das Tablet ist unser Instrument und kein Spielzeug!

Wie komme ich dahin, das Tablet als Instrument zu begreifen?

Nach dem ersten Ausprobieren habe ich versucht, musikalische Reflexionen anzuregen und fragte: Ist das gerade schöne Musik? Würde ich es mir gern anhören? Wie müsste es klingen/strukturiert sein, damit es mir als Hörer gefällt, wenn ich es im Radio hören würde?
Damit wollte ich eine Diskussion darüber anregen, aus welchen Elementen ein Song eigentlich besteht oder wer in einer Band welche Aufgabe hat und wie sich alles zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt. Diese Gedankengänge lassen sich von grundsätzlichen Dingen, wie Rhythmus, Melodie, Tonflächen, oder Loops über sich wiederholende, leicht veränderte, oder kontrastive Teile eines Songs zu detaillierten Überlegungen, wie z.B. zum Aufbau eines Beats weiterführen. All diese Dinge sind für erfahrene Musikerinnen und Musiker selbstverständlich, müssen aber im Umgang mit Musikapps als Instrument durchdacht, gelernt und geübt werden.

Was kann dabei helfen, den ersten eigenen Song zu bauen?

Mein Ansatz war, dass sich die Kinder ein Thema und einen Titel überlegen sollten, um dadurch auf erste musikalische Ideen zu kommen. In unserem Fall wurde von einer Schülerin das Thema „Gewitter“ vorgeschlagen. Wir erstellten spontan eine grafische Notation, um nach diesem Ablauf mit SNAP musizieren zu können:

Das Thema „Gewitter“ wurde als Ausgangspunkt genutzt, um auf Basis einer grafischen Notation mit „Snap“ einen Beat zu bauen. Foto: Christine Schulz

Eine weitere Idee ist, sich an einem Bild zu orientieren, um sich besser in eine bestimmte Stimmung hineinversetzen zu können. In unserem Fall waren dies Szenen aus dem Film „Rico, Oskar und die Tieferschatten“, zu denen spannende Filmmusik mit „SampleBot“ und „ThumbJam“ produziert wurde:

Auch schon bestehende grafische Notationen wären denkbar, die dann in Kleingruppen vermutlich sehr unterschiedlich umgesetzt würden. Wenn die Kinder erste kompositorische Erfahrungen gesammelt haben, lassen sich schließlich auch Songs analysieren: Wie sind sie aufgebaut? Was macht sie hörenswert? Einzelne Gruppen können sich auch zum Beispiel vertieft mit einzelnen Teilen beschäftigen, um in einem weiteren Schritt gemischte Bands zu bilden und die Elemente zusammen zu setzen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit solchen Ansätzen schnell auf spielerische Weise zum richtigen Musik machen kommt.

Wie geht ihr vor? Was hilft eurer Meinung nach den Kindern dabei, Musikapps als Instrumente zu begreifen und zu lernen, wie man auf ihnen spielt statt nur herumspielt?

Seit dem 1. Januar 2018 ist der app2music e.V. mit seinem neuen Projekt app2music_DE Partner im Programm »Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). In den nächsten fünf Jahren wird Projektleiter Julian Quack mit seinem Team ein Bildungsangebot für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche aufbauen.



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