Einblick, Rückblick, Zukunft: app2music_DE Fachtage 2018

app2music_DE | 5. Dezember 2018

Voneinander und miteinander lernen sowie gemeinsam die Zukunft des Projektes app2music_DE gestalten – dazu hatten sich bei den app2music_DE Fachtagen über 60 Teilnehmende in Berlin getroffen. Wie uns das gelungen ist und welche anderen Highlights es zu erleben gab, könnt ihr hier nachlesen. Fotos: Isabel O’Toole

Mit den app2music_DE Fachtagen 2018 fand im November zum ersten Mal ein deutschlandweites Austauschtreffen unserer bereits im Kultur-macht-Stark-Projekt aktiven Bündnispartner_innen und Musiker_innen statt. An drei Tagen gab es hier die Gelegenheit, sich persönlich kennenzulernen, aber vor allem auch das Ziel sich intensiv über Ansätze, Erfahrungen und Herausforderungen im ersten Jahr von app2music_DE auszutauschen. Bereichert wurde die Veranstaltung durch hochkarätige Workshopleiter_innen und zahlreiche inspirierende Gäste.

Anja Fischer entwickelte in ihrem Workshop gemeinsam mit app2music_DE-Musiker_innen Musikangebote mit spezifischen Inhalten und Methoden. // Foto: Isabel O’Toole

Die Fachtage fanden in fünf Räumen der Universität der Künste Berlin in der Bundesallee statt.

Herzlich Willkommen – lasst uns direkt loslegen!

Stilecht wurde unsere Veranstaltung mit einer Keynote eröffnet: Stefan Gisler war aus der Schweiz angereist und hielt einen kritischen Vortrag mit dem Titel „Das iPad, die alleinseligmachende, eierlegende Wollmilchsau?“ der die Diskussionen in Gang brachte. Der Beitrag war in jeglicher Hinsicht eine gesunde Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche: Von Apple über Microsoft bis hin zu analogen Synthesizern und akustischen Instrumenten wurden Vor- und Nachteile in einer humorvollen Manier gegeneinander abgewogen. Die Präsentationsfolien und eine Übersicht der verwendeten Apps hat Stefan Gisler auf seinem Blog zur Verfügung gestellt.

Nach dem Abendessen ging es in eine Runde des Kennenlernens aller Anwesenden. Julian Quack und Christopher Scholz von der Berliner app2music_DE-Projektleitung moderierten ein humorvolles Speed-Dating, bei dem sich konträre Zweier-Konstellationen bildeten und gegenseitig vorstellten.

Daraufhin kurze Planungsphase: Moderiert von Matthias Krebs ging es nun darum, sich unter den Beteiligten über die Ziele unserer gemeinsamen Fachtage und des Gesamtprojektes zu verständigen. Vieles von dem was hier gesammelt wurde, sollte in den beiden darauf folgenden Tagen spürbar zur Sprache kommen und einen Prozess der Weiterentwicklung anstoßen.

Bringt eure Smartphones und Tablets und steigt mit ein!

Es hätte kaum einen besseren Anlass als unsere Fachtage geben können um eine anschließende Jamsession – besser den Berlin Open LINKjam – mit allen Beteiligten und Gästen zu veranstalten. Die drei erfahrenen Appmusiker Piotr Niedzwiecki, SiG und Deniz Dilek hatten dafür drei Räume hergerichtet, um thematische Abwechslung in einen Abend gemeinsamen Musikmachens zu bringen:

  • „arps and counterpoints“ – cineastisch evolvierende Synthwave Patterns und abstraktere polyrhythmische Gebilde
  • Dub Techno – Sphärische Klänge, treibender Groove und tiefe Bassrhythmen
  • Slow – Jam – ein leichter Windhauch, ein leises Zirpen, ein Klangteppich, der sich stetig verändert und durch den Raum wabert

Geballtes Wissen, geballtes Programm

Von 9 Uhr morgens bis in den späten Abend hatten wir uns für den zweiten Tag eine Menge vorgenommen. Vormittags Workshops: In kleineren Gruppen wurde zu vier verschiedenen Themen gearbeitet und nach knapp einer Stunde per Rotationsprinzip getauscht, so dass sich alle Teilnehmenden zu einem breiten Spektrum an Themenstellungen austauschen konnten:

  • Während sich Julian Quack mit den anwesenden Musiker_innen und Vertreter_innen Bündnispartner über Hürden, Rollenverteilungen und Möglichkeiten zur Optimierung bei der Arbeit im Bündnis auf lokaler Ebene austauschte, ging es bei Anja Fischer um die konkrete Planung von Angeboten, also die Aufteilung in zeitliche Phasen und Wahl von Methoden für bestimmte Ziele.
  • Welche Ziele verfolgen wir eigentlich, wenn wir über die Begriffe ‚Bildung‘ und speziell ‚Kulturelle Bildung‘ reden und entsprechende Angebote verwirklichen wollen? – dazu gab es angeregte Gespräche mit Almut Voigt. Und wie bleiben wir in einem aktiven Austausch zur Weiterentwicklung unseres Wissens in unserem Pionierprojekt? Wie können wir die wichtigen Fragen zum Fortbestand und Qualität unserer Angebote diskutieren? – dazu hat Matthias Krebs die Themen app2music-Blog, Team-Kommuniaktion auf der Plattform SLACK und Wissensorganisation thematisiert.

Schnell wurde allen Beteiligten klar, wie wichtig und produktiv so ein persönliches Treffen vor Ort ist.

Das Barcamp – Weder Zeltlager noch Kneipe

Nach der Mittagspause galt es für die Teilnehmenden neue Erfahrungen im sogenannten Barcamp zu sammeln. Was ist ein Barcamp? Ganz einfach: Alle Teilnehmenden haben besondere Fähigkeiten oder Wissen, die spätestens in diesem Format zur Tagung eingebracht werden können. Im Barcamp wurde ihnen die Möglichkeit eröffnet in 30 Minuten einen Workshop für die anderen Teilnehmenden zu leiten: Wir hatten Jonglieren, Kabel-Löten, Stimmtraining, modulare Synthesizer, abgefahrenste Musikapps, Geräuschkompositionen, weltallisch Rappen, WarmUps und Erfahrungen aus den app2music_DE-Angeboten der Partner_innen…

Matthias Krebs schaffte es mit seiner Moderation ein von den Teilnehmenden geleitetes, vierstündiges Programm auf die Beine zu stellen. Doch das war ja noch nicht alles: Das Barcamp fand parallel in 4 Räumen statt, so das hier insgesamt 16 Stunden(!) Wissen vermittelt, und ein intensiver Austausch zwischen allen Beteiligten befeuert wurde. Mit dabei waren auch Oliver Greschke, Entwickler von Elastic Drums und Andro Kubonin von JAMBL, die den Teilnehmenden Einblicke in fortgeschrittene Funktionen und Möglichkeit ihrer Apps gaben.

Wer dachte, nach dem Barcamp würde unseren Gästen so langsam die Luft ausgehen lag falsch!

Es geht (doch) noch weiter…

In den drei parallel stattfindenden Workshops am Abend des zweiten Fachtages wurde nochmal richtig aufgedreht. Den Anfang machte Beatrix Joyce, mit „movement2music“. Es ging darum herauszufinden wie sich Körperlichkeit in Appmusik umsetzen lassen kann und ein Gefühl für den Zusammenhang von räumlichen Abständen und Klang zu entwickeln. Durch die Verbindung von Achtsamkeitsübungen und Klangsteuerung mit Dirigieren und Interpretieren entstanden hier fabelhafte neue Ansätze für den Einsatz von Musikapps im Kontext Kultureller Bildung.

Parallel dazu wurde im Workshop von Gad Baruch Hinkis der Ansatz des Dirigierens mit einem App-Ensemble auf eine andere Art und Weise weiterentwickelt. Durch mühelose Synchronisation einer Vielzahl von Geräten über WLAN/Ableton Link lässt sich mit der App JAMBL ein gemeinsames musikalisches Erlebnis für größere Gruppen schaffen. Der Entwickler höchstpersönlich leitete die Gruppe beim Musizieren an und vermittelte fortgeschrittene Funktionen und Einsatzmöglichkeiten der App auf spielerische Art und Weise. Polyrhythmik, Arpeggios und vieles mehr ist mit JAMBL möglich, auch wenn man das dem bunten Interface auf den ersten Blick nicht unbedingt ansieht.

Peter Geltat, ein vielseitiger Gitarrist, ist neben seinem musikalischen Können auch ein Technik-Enthusiast wenn es um die Verbindung von analogen E-Gitarren mit digitaler Klangverarbeitung geht. Eindrucksvoll demonstrierte er den Anwesenden welche Möglichkeiten sich GitarristInnen bieten, wenn es darum geht KEINE 30kg schweren Verstärker und Lautsprecher zum Konzert mitzuschleppen. Für BIAS FX von Positive Grid beispielsweise, benötigt man lediglich ein kleines Audio-Interface plus Tablet und schon stehen einem Möglichkeiten offen, von denen man vor knapp 20 Jahren nur träumen konnte.

Mit diesem Abendprgramm geht der zweite Fachtag zu Ende. Wir sind durchgerockt! Gute Nacht und bis morgen…

Quo vadis app2music_DE ?

Nach diesem eindrucksvollen und inspirierenden Samstag ging es am Sonntagmorgen direkt weiter. Nach dem gemeinsamen Frühstück bot Julian Quack pünktlich um 9:30 Uhr einen kurzen Rückblick auf die Entstehung des Projekts app2music_DE und zeigte auch Highlights der vergangenen 11 Projektmonate. Aber eigentlich waren alle Teilnehmenden so früh aufgestanden, um Visionäre zu sein und die nächsten Schritte zu planen…

–> Zukunftswerkstatt

Moderiert von Matthias Krebs wurde eine Brücke zwischen dem Beginn der Fachtage, über die gemeinsamen Workshops und Erlebnisse bis hin zur Zukunftsplanung geschlagen. Welche Erkenntnisse halten wir aus den zahlreichen Diskussionen und inspirierenden Beiträgen fest und wie setzen wir diese ein, um app2music_DE gemeinsam weiterzuentwickeln und zukünftig zu gestalten?

Wir haben nach einem kurzen Brainstorming in vier Gruppen gearbeitet. Aufgabe war es, persönliche Gedanken und Erfahrungen sowie die gesammelten Eindrücke der Fachtage zu ordnen und daraus Leitlinien zu formulieren, die anschließend von den Gruppen in einem Video zusammengefasst wurden. Bei der Präsentation hatten alle Beteiligten enormen Spaß, denn die Videos waren nicht nur unterhaltsam, sondern zugleich auch Dokumentation und fachliches Ergebnis dieses spannenden Wochenendes, in werden projektintern genutzt.

Die tolle Stimmung, das persönliche Kennenlernen, die vielfältigen und inspirierenden Beiträge der Beteiligten und die Ergebnisse… Wir wollen in Zukunft mehr davon! Die app2music_DE Fachtage wollen wir von nun an jährlich veranstalten, dafür gab es ein klares Votum von allen Teilnehmenden: Gelegenheit zum persönlichen Austausch bieten, um alle Akteure in app2music_DE einzubeziehen, das Projekt weiterzuentwickeln, zukünftige Schritte gemeinsam zu planen und voneinander zu profitieren.

Wir bedanken uns herzlich bei Matthias Krebs, Leiter der Forschungsstelle Appmusik der UdK Berlin, der die app2music_DE Fachtage, unterstützt vom app2music_DE-Projektbüro Julian Quack & Christopher Scholz, konzipiert hat. Unser besonderer Dank gilt natürlich allen Helfer_innen, unseren Gästen und unseren Donzent_innen, die sich mit vollem Einsatz eingebracht und die ersten app2music_DE Fachtage zu einem vollen Erfolg gemacht haben!

  • Eine Übersicht mit Kontaktmöglichkeiten zu Teilnehmenden findet ihr auf SKILLFRIED

Seit dem 1. Januar 2018 ist der app2music e.V. mit seinem neuen Projekt app2music_DE Partner im Programm »Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). In den nächsten fünf Jahren wird Projektleiter Julian Quack mit seinem Team ein Bildungsangebot für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche aufbauen.



3 Antworten zu “Einblick, Rückblick, Zukunft: app2music_DE Fachtage 2018”

  1. Nils Sommer sagt:

    Wie erwartet ein absolutes Fest. Tolle Beiträge, fantastisch organisiert, danke! 🙂

  2. Sebastian Christ sagt:

    Für mich war das Wochenende für die Ausgestaltung meiner eigenen app2music-AGs und Workshops sehr inspirierend. Vor allem die Veranstaltungen von Anja Fischer haben mich wirklich weitergebracht. Ich freue mich schon auf die nächsten Fachtage und hoffe, daß wir es schaffen, auch in der Zeit bis dahin in regem Austausch zu bleiben.

  3. Dane Pereira sagt:

    Es war insprierend und meinen Erwartungen hat es echt übertroffen. Vor Allem die ganzen Workshops und die Bar Camps waren Top. Auch der ganze Austausch und das Kennenlernen der Musiker und Dozenten war schön!! Toll organisiert. Hut ab!! Ich freue mich auf das nächste Mal.

Kommentar verfassen