Atemlos – unser Song für Helene Fischer

Matthias Krebs | 11. Februar 2015

„Hallo Helene Fischer, das singen wir nur für Dich! Das haben wir alles mit iPads gemacht.“ so die Widmung der fünf Mädchen, als wir ihre Version von Atemlos aufgenommen haben. Drei beste Freundinnen filmten das Musizieren aus verschiedenen Perspektiven, wofür sie extra mit zur Musik-AG gekommen waren. Aus dem Material habe ich dann im Homestudio einen Musikclip produziert, den nun Frau Fischer sehen soll. Überzeugt das eigens von den Schülerinnen entwickelte Cover, gespielt auf iPads? Dieser Blogbeitrag gibt Einblicke, wie das Cover und das Video entstanden sind.

Atemlos hatten die fünf begeisterten Mädchen der Appmusik-AG im Rahmen von Touching Music / app2music an der Berliner Glaßbrenner-Grundschule innerhalb von 5 Sitzungen mit meiner Unterstützung einstudiert. Meine Motivation, diesen Song zu proben, hielt sich anfangs in Grenzen. Doch als die Mädels mir das Lied einige Male auswendig vorsangen und ich die Begeisterung in ihren funkelnden Augen sah, war ich gerne bereit, ihren Song mit ihnen zu spielen.

Wir wollen das ganze Lied singen

Der Anfang der Proben gestaltete sich gar nicht so einfach. Alle fünf Mädchen wollten singen, alle kannten den Text auswendig und keine hatte anfänglich vor, sich auf ein Instrument bzw. eine App in der Band festzulegen. Also wurde bei jeder AG-Veranstaltung das Instrument gewechselt. Das hatte aber zur Folge, dass wir nur langsam den Song zustande bekamen. Wir fingen ja schließlich immer wieder von vorne an. Erst am Ende der dritten Sitzung einigten sich die fünf darauf, eine feste Besetzung festzulegen, um endlich über die erste Strophe hinaus zu kommen und nicht jedes Mal von Neuem beginnen zu müssen.

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Jede der Mädchen wollte Sängerin sein. (Grolli links, Grilli rechts)

Hier nun die endgültige Besetzung: Pippi spielte den Bass mit der App „iFretless Bass“ und gab damit ein sicheres Fundament für die Gruppe vor. Grilli entschied sich für die Gitarre und spielte auf „guitarism“ und Cestel übernahm den Rhythmus mit der Drumcomputer-App „DM1“. Coockie, die erst beim vierten Treffen zur Band stieß, spielte Orgel mit der App „SoundPrism“. Grolli wurde schließlich als Sängerin auserkoren, da sie das Lied am sichersten beherrschte. Aber sie half zudem auch mal an der Orgel aus in der Zeit, in der Coockie nicht da war. Aber singen wollten trotzdem alle mal, und so wechselte das Mikro gelegentlich die Besitzerin.

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Folgende Apps haben wird genutzt: Vorne link die App „guitarism“, rechts die App „iFretless Bass“, hinten die App „DM1“ und „SoundPrism“.

Die Akkordwechsel waren schnell gelernt. Was ausführlicheres Proben erforderte, war das Zusammenspiel in der Gruppe. Die Mädchen summten anfangs beim Spielen leise die Melodie mit, um sich im Ablauf zu orientieren. Doch schafften sie es dabei nicht, gleichzeitig auf das Instrumentalspiel der anderen zu hören. Die Folge war, dass jede in ihrem eigenen Tempo spielte, so dass das gemeinsame Musizieren auseinander geriet. Deshalb probten wir in den AGs zeitweise entweder in Zweiergruppen oder legten die iPads ganz nah zueinander, damit die Mädchen die Handbewegungen der Mitspielerinnen besser im Blick haben. Außerdem übten wir nebenbei verschiedene Tanzschritte ein, da die Bewegungen sich gut als Puls und als Orientierungsstützen für das Musizieren eigneten. In dieser Kombination wurde schließlich auch das gemeinsame Spiel sicherer. Die Mädchen schlugen sich echt gut und schafften es, sich mehr und mehr auf ihr Instrument zu konzentrieren und jede konnte schließlich ihren Part einwandfrei spielen.

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Bei unserem Musikclip sollte auch getanzt werden. Und auch der Knochmann gehört in das Video. (Cestel und Coocki singen)

Von Anfang an war mir wichtig, dass ich den Schülerinnen nicht einfach vorgab, was sie tun müssen, um das Lied mit Apps zu realisieren. Wichtiger war mir, dass die Mädchen im gemeinsamen Voranschreiten selbst Entscheidungen darüber treffen, was benötigt wird, um den Song für alle angemessen umzusetzen. Wir hatten eine Aufnahme des Songs von Helene Fischer auf dem Handy von Cestel. Wir hörten uns den Song an und achteten zuerst auf den Bass und die Mädchen hörten sich den Lauf heraus, dann die übrigen Begleitinstrumente. Auch den Grundbeat vom Schlagzeug hatten die Mädchen von der Aufnahme abgehört und später eigene Sounds hinzugefügt. Die Version der Mädchen klingt letztlich nicht wie eine 1-zu-1-Kopie des Originals. Uns ging es doch schließlich darum, eine eigene Version des Lieds zu entwickeln, die wir dann auf unsere Weise interpretieren.

Wir wollen unser Lied auch Helene Fischer zeigen

Als die Mädchen den Song sicher spielen konnten, wollten sie ein Musikvideo aufnehmen. In der darauffolgenden Woche brachte ich eine Kamera und meinen Computer zur Probe mit. Grolli hatte ihre Freundinnen gefragt, ob sie nicht die Aufnahme übernehmen könnten und so hatten wir drei Kamerafrauen für die Videoaufnahme. Zwei der Freundinnen nutzten iPads dafür, während die dritte die Kamera auf dem Stativ bediente.

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Die Videoaufnahmen haben wir mit einem Fotoapparat und zwei iPads gemacht. Schulfreundinnen haben gefilmt.

Als wir dann die Aufnahme beginnen wollten, schlug Cestel vor, dass wir doch das Video auch Helene Fischer schicken könnten. Das fanden alle eine gute Idee und motivierte sie anscheinend noch ein klein wenig mehr, konzentriert zu arbeiten. Die Mädchen beschlossen zudem vor dem Spiel ihrer Version des Songs eine kleine Ansage in die Kamera zu sprechen: „Hallo Helene Fischer, das singen wir nur für dich!“

Wir haben den Song in drei Durchgängen aufgenommen, dann waren die Mädels mit der Aufnahme zufrieden. Sie wollten ja schließlich noch Zeit haben, um auch zu tanzen und jede wollte selbst noch mal mit dem Mikrofon einsingen. Mit jeweils drei Takes hatte ich ausreichendes Material, um Zuhause ein Video zusammenzuschneiden. Und die vielen Gesangsaufnahmen der Mädchen wurden für das Video zu den Background-Vocals zusammengemischt.

YouTube

Als ich zwei Wochen später das fertige Video in der Appmusik-AG präsentieren wollte, waren die Mädchen ganz aufgeregt. Ich wurde dadurch etwas unsicher, weil ich vermutete, dass sie sich durch lauter Lachen über sich selbst, nicht auf ihr gelungenes Ergebnis konzentrieren konnten. Und ich befürchtete auch, dass sie die ganze Aktion mit Helene Fischer aus falscher Scham abblasen würden. Aber das Gegenteil war der Fall: Sofort sangen sie lauthals mit dem Video mit und freuten sich über die eigene Performance und lachten über das singende Skelett.

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Die Mädchen waren von ihrem Musikclip begeistert und planen schon ein anderes Lied zu proben.

Damit das Video Helene Fischer gezeigt werden kann, sollte das Video auf YouTube veröffentlicht werden. Also schrieb ich einen Elternbrief, in dem ich das Vorhaben schilderte und eine Einverständnis zur Veröffentlichung einholte. Alle Eltern der Mädchen waren vom Video begeistert, baten um den Link zum finalen Video und wünschten dem Unternehmen viel Erfolg, wirklich auch Helene Fischer persönlich mit dem Video zu erreichen.

Liebe Helene Fischer,

liebes Publikum, gefällt euch unsere Version von Atemlos? Wir würden uns freuen, wenn ihr uns Kommentare hier in den Blog oder bei YouTube unter das Video schreibt.

// Eure SuperGirls

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Yehaa! Das ist unsere Version von Atemlos. Gefällt sie euch?

 

Matthias Krebs ist Appmusiker, Diplom-Musik- und Medienpädagoge und wissenschaftlich tätig. Matthias Krebs ist Gründer und Leiter des Smartphone-Orchesters DigiEnsemble Berlin und beschäftigt sich im Rahmen seiner Promotion mit der Aneignung digitaler Musikinstrumente. Weitere Forschungsschwerpunkte betreffen: Digitale Medien in Lehre und Forschung, Kommunikation im Social Web, Netzkunst, digitale Musikinstrumente und Musiker-Selbstvermarktung. Er arbeitet und wirkt an der Universität der Künste Berlin als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ist als Lehrbeauftragter an mehreren deutschen Musikhochschulen tätig und leitet regelmäßig Appmusik-Workshops.


2 Antworten zu “Atemlos – unser Song für Helene Fischer”

  1. Yvonne Tondorf (JüLc) sagt:

    Das macht große Freude euch beim Singen zu zusehen oder besser zuhören. Man sieht, ihr hattet viel Spaß zusammen. Nun wünsche ich euch, dass auch Helene Fischer Zeit und Gelegenheit findet sich eure tolle Aufnahme anzuhören.
    Macht weiter!
    Frau Tondorf

  2. inge schmidt sagt:

    Liebe SuperGirls,
    euch so in „Action“ erleben zu können ist, wie immer, sehr toll und ich sage nur:weiter so! ;-)) Helene Fischer wird neidisch werden, gelle??
    Eure (Erzieherin) inge

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