Wann setzt der Bass ein?

Jonathan Kühnl | 14. Mai 2017

Beim gemeinsamen Musizieren ist nicht nur wichtig wer was spielt, sondern vor allem wie aufeinander abgestimmt gespielt wird. Wann setzte ich ein? Wie viele Takte spiele ich die Bassfigur? Wann kommt der Schluss? Da wir in den letzten beiden Sitzungen vor allem harmonisch und melodisches Material gesucht haben, wollten wir heute Lösungen für Einsätze und Orientierung beim Musik machen finden.

Ein Beat entsteht

In der letzten Sitzung hat DJana eine viertaktige Abfolge von Akkorden auf SP Electro entwickelt. Heute wollte sie dazu verschiedene Schlagzeugbeats finden. Dabei benutzte sie zunächst die App Patterning. Zwar ist das Zwiebelprinzip hilfreich bei der Anordnung der Patterns, allerdings beklagte sich DJana darüber, dass die angeordneten Kreise keine klare Orientierung geben würden. Zwar ist die direkte vertikale Volumenpegeleinstellung im Vergleich zu DM-1 super, allerdings ist die horizontale Einteilung der Patterns in DM-1 für die SuS einfacher.

5

Patterning und Lauchpad im Einsatz.

Beim Abspielen der drei programmierten Beats wurde DJana schnell deutlich, dass ihre Beats keine Orientierung gaben. Beim gleichzeitigen Bedienen der vier Akkorde in SP Electro wurde ihr nicht deutlich wann sie die Akkorde wechseln musste. Das lag daran, dass die schweren Zählzeiten der Bassdrum nicht oder nur teilweise in Patterning aktiviert waren.

Um einen Vergleich zu den von DJana geschaffenen Beats zu haben, suchte sie sich drei dynamisch verschiedene vorprogrammierte Beats aus Launchpad aus. Dadurch wurde ihr deutlich wie wichtig eindeutige Akzente der Bassdrum sind, um eine Orientierung beim gemeinsamen Musizieren zu haben.

Unser Song

Im Intro unseres Songs haben sich die jungen Künstler_innen bereits für Borderlands entschieden. Für das Abspielen der aufgenommen Audiospuren ist keine rhythmische Orientierung nötig, da die Kids nur die Dichte der Aufnahmespuren bearbeiten. Für die rhythmische Bearbeitung von Audiospuren wäre z.B. die Slidefunktion in Blockswave geeignet. Bei unserem Intro wird allerdings die Anzahl der Kreise verändert, die über den Audiospuren aktiviert werden. Dafür kreiert BandGirl 30 Kreise über den Audiospuren. Je höher die Anzahl der Kreise, desto unübersichtlicher und undefinierbarer werden die Klangcluster.
Sobald die Klangcluster ein durchgehendes Soundchaos ergeben, wird der erste Drumbeat in Launchpad aktiviert und daraufhin die App Borderlands beendet, sodass deren Sound sofort verstummt.

SoundPrism kann auch mit zwei Fingern gespielt werden.

1,2,3,4 und 1

Nachdem der erste Beat aus Launchpad aktiviert wird, soll auch die viertaktige Akkordfolge aus SP Electro erklingen. Um das richtige Mitzählen der schweren Zählzeiten 1,2,3,4 bei den jungen Künstler_innen zu verinnerlichen habe ich in einer separaten Übephase die Akkorde geübt, indem wir alle laut mitgezählt haben, während der Drumbeat durchlief. Dabei wurde nicht nur die akustische Wahrnehmung vertieft, sondern auch die senso-motorische Fähigkeit auf der komplexen Spieloberfläche von SP geübt. Dabei konnten sich die Schüler_innen aussuchen, ob sie nur den Bass mit der linken Hand oder auch die komplette Harmonie mit der rechten Hand spielen. Dank dieser Übephase und dem markanten Beat aus Launchpad konnten die Schüler_innen das richtige Tempo nun mit den Harmonien in SP übernehmen. Zur Orientierung zwischen den horizontal angeordneten Harmoniestufen in SP zeichneten sich einige Schüler_innen auch die Abfolge der Akkorde auf die richtige Höhe des iPads, um so schneller umzugreifen.

Zwei iPads auf einmal

Da wir heute unterbesetzt waren, musste DJana zwei iPads gleichzeitig bedienen. Vor ihr auf der rechten Seite positionierte sie ein iPad mit der App Thumbjam und auf der linken Seite ein iPad mit der App Launchpad. Die drei vorher ausgewählten Beats markierte sie durch Zettel mit Nummern neben dem Tablet. In Thumbjam spielte sie eine Begleitung mit dem linken und dem rechten Zeigefinger. Das viertaktige harmonische Grundgerüst füllte sie mit fünf Tönen, die sich mit dem rechten Zeigefinger spielte, während der linke Zeigefinger nur ein tiefes a spielte. Die Größe der Felder wählte sie besonders groß, damit die Treffsicherheit der Tasten gewährleistet wurde.

3

Die Presets in Launchpad können mit einem Klick aktiviert und abgespielt werden.

Die fünf Töne in der rechten Hand teilte sie in 4+4+4+2+2 Schläge auf – erst melodisch aufwärts, dann wieder abwärts. Dafür notierte sie die Zahlenabfolge der Schläge auf ein Blatt Papier und positionierte dieses über dem iPad mit der App Thumbjam. Je nach Belieben konnte sie nun ebenfalls den Drumbeat auf dem linken iPad ändern, indem sie auf dem Rückweg des rechten Fingers von oben nach unten nach 4+4 Schlägen auf das linke iPad wechselte und den Beat änderte. Die Schwierigkeit bestand darin den Beat in Launchpad nicht zu früh zu aktivieren, gleichzeitig aber beim ersten Takt wieder mit dem rechten Zeigefinger auf dem rechten iPad zu sein. Nach ein paar Durchgängen funktionierte diese nicht ganz einfache Koordination von zwei iPads aber wunderbar.

In der nächsten Sitzung sollen ein weiterer harmonischer sowie melodischer Teil zu unserem Stück dazukommen und ebenfalls weitere Audiospuren mit Blockswave oder VidiBox aufgenommen und bearbeitet werden.

… ist Gitarrist und studiert Musik an der Universität der Künste Berlin. Er ist Stipendiat bei Live Music Now Berlin e.V., Instrumentallehrer bei Kiezklänge e.V. und leitet eine Musik-AG an der Berlin International School. Seine Lieblingsapp ist ChordPolyPad, da diese mit den Preset-Feldern leicht zu bedienen ist und man die App als Interface benutzen kann und so tolle Klänge der anderen Apps in nur einer hat.


Kommentar verfassen