Kontrolliertes Chaos

Erik Noack | 30. Mai 2017

Das Thema der aktuellen Projektphase lautet Extreme. Dabei versuchen wir uns zu vergegenwärtigen wie wir anhand musikalischer Extreme oder gegensätzlichen Polen in einem Soundkontinuum verschiedene Emotionen wecken könne. Desweiteren hilft es uns in musikalischer sowie in technischer Hinsicht zu verstehen wie wir mit dem spielerischen Umgang musikalischer Parameter und ihren Auswirkungen umgehen können.

 

Gruppenarbeit

Zu Beginn des Projekts haben wir begonnen uns in 2er Gruppen exklusiv mit einer bestimmten App auseinanderzusetzen. Wir haben uns zuerst dem Drumsequenzer DM1 gewidmet. Eine tolle Funktion die mittlerweile viele Apps unterstützen nennt sich Ableton Link. Dadurch ist es möglich mehrere Ipads über einen Wlan-hotspot  zu koppeln um somit das Tempo (Bpm) auf den verschiedenen Apps zu synchronisieren. Das können Drumbeats, Meldiebögen, Arpeggios und Flächen in Synthesizern sein aber auch Effekte wie z.B. Wiederholungen in Halleffekten oder Filtereffekte.

DM1

Die FX Sektion von DM1. Schön zu sehen sind die X/Y Pads!

Jetzt wird es spannend. In der ersten Phase programmiert jeder in der eigenen DM1 App einen Rhythmus auf ein Instrument des DrumKits (Kick, Snare usw.), sodass am Ende aus unterschiedlichen DM1 Apps ein Drumbeat entsteht. Dank Ableton Link laufen alle Rhythmen vom Tempo her synchron. Im Mixer kann jeder den Sound seiner Spur individuell gestalten. Das Resultat entsteht durch eine geordnete Kollaboration. Nun widmen wir uns den Effekten.

Die Apps ermöglicht es zwei verschiedene Effekte gleichzeitig zu verwenden. Diese können mit Hilfe des Mixers auf die unterschiedlichen Instrumente gelegt werden. Bei fünf Ipads die alle synchron laufen sind es nun 10 Effekte die wir gleichzeitig verwenden können. Mit Hilfe des X/Y Pads darf nun jeder in der Gruppe im Uhrzeigersinn die Effektparameter verändern sodass sich eine kleiner Teil des Gesamtbildes verändert. Das sorgt natürlich für Aha-Effekt.

 

Over the top

Der Clou kommt zum Schluss. Wir versuchen nun gemeinsam etwas musikalisch ansprechendes zu gestalten indem wir mit den Extremen experimentieren. Kurzerhand wird Ableton Link ausgeschaltet sodass sich die Rhythmen überlagern. Das Tempo wird auf ca. 290 Bpm hoch gestellt. Delayeffekte werden eingeschaltet und per Filter alle Höhen rausgedreht.

Wir befinden uns nun musikalisch gesehen sozusagen in einem kontrolliertem Chaos. Es entstehen wabernde und flächige Sounds und die Rhythmischen Überlagerungen scheinen durch das Delay doch irgendwie einen Sinn zu ergeben. Nun darf wieder jeder im Uhrzeigersinn den Filter aufdrehen. Die Neugier steigt, denn durch Höhenanteil wird jedem einzelnen Kind klar welchen Beitrag Seine Spur zu dem Gesamtkonzept beiträgt. Für eine  große Heiterkeit sorgten letztendlich die Tiersamples von Kühen, Katzen und Schweinen, auf einem Ipad. Durch die verschiedenen Delay/Reverb Effekte klangen diese nämlich nun wie Schreie.

Eine extreme Faszination macht sich im Musikzimmer breit !

 

Appwechslung

An einem anderen Tag haben wir ein ähnliches Konzept mit Soundprism vollzogen. Hier ging es nicht mehr um Rhythmus sondern um Harmonik und Melodien. Soundprism lässt sich ebenfalls verlinken und somit lag es auf der Hand das wir letztendlich eine Kombination aus beiden versucht haben. Letztendlich geht es trotzdem darum einen Bühnenreifes stück auf die Beine zu stellen. Die Experimente mit dem Extremen, das Spielen mit den unterschiedlichen Parametern wie laut/leise  schnell/langsam etc. dient dazu Ideen und Inspiration für die eigene Klanggestaltung zu sammeln um diese in die eigenen musikalischen Ideen mit einfließen zu lassen. Die Jungs aus der AG arbeiten nun z.B. an dem Songtitel „Leben ist alles was zählt“

Hierfür werden die Apps Auxy, Soundprism Link sowie Thumbjam verwendet und einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier zu sehen.

 

…ist Gitarrist und Songwriter. Maßgeblich beeinflusst ist er durch Heavy-Metal-Musik sowie dem „shredgenre“. Er ist größtenteils Autodidakt mit Weiterbildung an der Jazzschule Berlin und viel Liveerfahrung im Rock und Metalkontext: u. a. durch zahlreiche Festivalauftritte mit der „Maximaltechnogruppe“ Schluck den Druck. Seit April 2015 leitet er an Berliner Grundschulen Appmusik-AGs und ist begeistert von den digitalen und didaktischen Möglichkeiten in Bereich Songwriting und Bandarbeit, was mit Kindern ohne besondere musikalische Vorerfahrungen toll läuft. Soundprism sowie ThumbJam im „cello“-Mode begeistern ihn in Sachen Appmusik ganz besonders.


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