Zwischen Suchen und Finden

Marc Godau | 7. März 2014

Unsere Gruppe an der Ehlers-Schule besteht aus vier Mitgliedern, die seit Beginn des zweiten Schuljahres dabei sind: Ein Mädchen und drei Jungen. Wir hatten in den letzten drei Wochen schon einiges ausprobiert. Darunter Improvisieren und einen Pop-Song zusammensetzen. Am vorangegangenen Mittwoch hatten wir angefangen, »Wake me up« von Avicii zu spielen. Das Ziel in dieser Woche war, gemeinsam den Song soweit spielen können, um eine Präsentation aufnehmen zu können.

Das Video gibt einen kleinen Eindruck von unserem Musizieren. Die Arbeit war von einem Zirkel des Suchens, Findens und Verwerfens geprägt.

Der ‚Neue’

Beim Aufbau der Anlage stand plötzlich ein neuer Interessent vor mir. Ein Junge aus der Parallelklasse der vier 7.-Klässler. Er hatte sich bereits bei der Ankündigung innerhalb der Schule in die Liste eingetragen, es dann jedoch durch Krankheit und andere Termine nicht geschafft dazuzustoßen. Die Zeit, in der wir noch auf die anderen warten mussten, konnten wir gut überbrücken, indem unser neuer Mitspieler einige Apps ausprobierte. Zu seinen Vorerfahrungen ist zu sagen, dass er einige Zeit in der Streicher-AG der Schule mitwirkte und Musikapps schon von  Freunden kannte, wobei die ihm bekannten Apps  nicht auf unserem iPad installiert waren. So stöberte er einige Zeit herum und stieß schließlich (eigentlich auf der Suche nach einem Geigen-Sound) auf die Samplerfunktion in GarageBand. Er nahm einige Sätze und Geräusche auf und experimentierte damit herum.

Den Song als Band spielen?

Als die anderen 3 Mitspieler dazukamen, wiederholten wir »Wake me up«, um zu sehen, was aus der letzten Woche noch erinnert werden konnte. Alle öffneten ihre Apps und spielten ihre Stimmen einzeln durch. Schlagzeug und Bass wurde auf GarageBand gespielt, wobei unser Bassist besonders die Möglichkeit, die Töne zu ‚benden’ (to bend = das Ziehen des Tones auf den nächsten auf Saiteninstrumenten) nutze. Durch das Ziehen von D auf E wurde der vierte Akkord (Hm/G/D/A) zum Slashchord (A/E) bzw. Akkord mit einem Quintbass.

Unsere sehr eloquente Mitspielerin war leider diesmal nicht da. Wir erwarten sie aber für das nächste Mal wieder freudig 🙂

Es galt, dass wir gemeinsam als 5er-Gruppe spielen. Unser neuer Mitspieler brauchte für den Song auch eine App. Nach einigem Suchen fiel die Wahl auf Soundprism, mit der er die harmonische Begleitung übernehmen sollte. Allein spielte er die Akkorde rhythmisch korrekt. Das zu meisternde Problem bestand darin, den Song als Band zu spielen. Die drei ‚Alteingesessenen’ spielten bereits zusammen. Auch wenn jemand sich verspielte oder aus dem Takt kam, fanden sie schnell wieder zueinander. Ich übernahm das Singen und in Vertretung für unsere abwesende Mitspielerin die Melodie auf Thumbjam.

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Wir hörten immer wieder in die Originalaufnahme hinein, um gemeinsam zu sehen, was wir schon können und um Unklarheiten zu beseitigen. Hier ging es dann um Fragen wie: Wer fängt eigentlich an zu spielen? Wie kommen wir nah an den Disko-Sound der Aufnahme heran? usw. Ebenso spielten wir mit der Aufnahme, weil sie uns immer wieder zwingt hinterherzukommen und auf den Gesamtklang zu hören.

Bei unserem neuen Mitglied muss man die Lage etwas differenzierter betrachten. Ich beobachtete, dass er zwar die Akkorde in der richtigen Reihenfolge, aber beim Gruppenmusizieren in einem eigenen Tempo spielte. In der Gruppe testeten wir verschiedene Lösungsansätze aus:

  • Auspegeln der einzelnen Instrumente, damit jeder sich selbst gut hören kann.
  • Gemeinsames Überlegen, wer sich musikalisch an wem aus der Gruppe orientieren kann (Gitarre und Keys).  
  • Sitzordnung: Als unser Neuer sagte, er würde sich am Guitarism-Spieler orientieren, platzierten wir uns alle so, dass beide sich gegenübersaßen, um ein besseres Sichtfeld zu haben.

Es gelang ein wenig besser. Insofern schafften wir es sogar, das Lied vom Anfang über bis zum Thumbjam-Solo nach dem ersten Refrain zu schaffen. Das Zusammenspiel in der Gruppe hatte aber noch Potential, um mehr Band-like zu spielen.

Die richtige App finden

Was macht man, wenn jemand beim gemeinsamen Üben feststellt, dass die App ihm nicht liege? Unser Neuer sagte, er möge den Sound von SoundPrism nicht, sondern wolle eher einen Klavierklang haben. Kein Problem. Über iGrandPiano konnten wir einen schönen Klaviersound finden, der in SoundPrism erklang. Für ihn und auch für mich wurde es damit erst einmal besser. Nach einiger Zeit sagte er,  ihm gefiele jetzt die App und der Sound nicht. Nun denn. Ich fragte ihn, ob er wisse, wie die perfekte App für ihn aussehen könnte (Natürlich ist mir bewusst, dass man das nur wissen kann, wenn man bereits einige Apps kennt. Meine Hoffnung beruhte auf meinem Wissen, dass er vor der Probe einige Apps allein ausprobiert hatte. In meiner Ratlosigkeit versuchte ich herauszufinden, wie die App nicht sein soll bzw. welche Qualitäten sie mitbringen soll.) Er schüttelte den Kopf und sah mich an. Ich schlug ihm die App ChordPolyPad vor, in der man sich die Voicings der Akkorde selbst zusammenstellen kann und diese dann auf virtuellen Pads spielt, die dazu noch ziemlich ‚spacy’ leuchten.

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Endlich spielten wir eine Fassung, in der es nach einer Band klang und die wir dann auch aufnehmen konnten. Es ist noch nicht das, was ich als fertiges Produkt beobachte. Es ist jedoch ein Ergebnis, dass wir als Gruppe evaluieren können; das uns zeigt, dass wir etwas geschafft haben und was wir noch angehen müssen. Ist das vielleicht nicht viel wichtiger, als die von mir geplante Präsentation?

Ein vorläufiges Fazit

Wie gut sind wir eigentlich schon? Um unseren derzeitigen Stand zu ermitteln, bat die Jungs während des Arbeitens immer wieder zu skalieren (»Wo befinden wir uns auf einer Skala von 1 bis 10? 1=Wir kennen den Song nicht. 10=Wir müssen sofort eine Platte aufnehmen und berühmt werden.«) Ziel dieser Methode ist es, herauszubekommen, welches unsere nächsten Schritte sein können. Wenn wir es beispielsweise mit 6 bewerten, dann lässt sich gut die Frage an die Gruppen formulieren, was wir tun müssen, um die 7 zu erreichen. Schließlich soll damit nicht gezeigt werden, wie weit der Weg bis zum Ziel ist, sondern was nächste Meilensteine sein könnten. Zu meinem Erstaunen bewerteten die Jungs ziemlich hoch (zwischen 8&9).  Ich empfand den Fortschritt nicht so enorm und das Spiel teilweise sehr schleppend. In der Reflexion sagten sie, dass wir mehr üben und aufeinander hören müssen.

Alles in allem war ich zufrieden und schlug vor, dass wir in einer der nächsten Wochen in der Hofpause ein kleines Konzert geben sollten. Damit können wir einerseits unser Können präsentieren und andererseits auch aktiv für weitere Mitstreiter_innen werben. Alle waren damit einverstanden. So freue ich mich auf das nächste Mal und bin gespannt, wie wir die App-Suche fortsetzen bzw. wohin sie uns führt.



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