Beobachte den Beobachter – Altersunterschiede

Marc Godau | 3. April 2014

Beobachte den BeobachterWeht denn da nur ein laues Lüftchen oder sind wir im Auge des Sturms? All denjenigen, die Musik-AGs initiieren, stellt sich das Problem der Dynamik heterogener Gruppen. Es ist einerseits für mich fraglich, ob meine hier angeführte Argumentation für meine weitere Arbeit im a2m-Projekt überhaupt Bestand haben muss, jedoch spiegelt sich darin mein derzeitiges Beobachten wider. Und um letzteres drehen sich schließlich die Beiträge der Kategorie Beobachte den Beobachter.

Bahnt sich ein Konflikt an?

Am letzten Mittwoch (2. April) beobachtete ich bei der Appmusik-AG am Ehlers-Gymnasium ein gruppendynamisches Phänomen, bei dem sich zwischen der jüngsten und der ältesten Mitspielerin ein Konflikt abzeichnete, den ich möglicherweise nicht früh genug erkannt hatte. So erscheint es im Nachhinein, dass es einerseits zu einer Koalition zwischen der älteren Mitspielerin und mir kam, ohne dass mir das klar war. Im Gespräch wertete sie mein pädagogisches Agieren als zu freundlich und bezog dies auf das ihrer Meinung nach problematische Benehmen anderer Teilnehmer. Problematisch soll hier heißen, dass einige bei gemeinsamen Absprachen über den Song auf ihren Apps ‚herumklimperten‘ oder sogar die App dazu wechselten. Dadurch konnten wir teilweise nicht flüssig anfangen, da Apps zurückgewechselt oder zum Anfangen von den beiden ältesten im Raum (wie ich jetzt sehe) ‚ermahnt‘ werden mussten. Dagegen lehnte sich unsere jüngste Mitspielerin, die seit Anfang an dabei ist und somit zum ‚Urgestein‘ der Gruppe zählt, gegen derartige Vorwürfe auf. Sie entgegnete unserer ältesten Mitspielerin, dass es nun genug sei, die Angesprochenen es verstanden hätten und wir einfach jetzt weiter machen sollten.

Ich glaube derzeit nicht daran, dass es sich hier einfach um einen Konflikt zwischen zwei Appmusikerinnen handelt. Denn selbst wenn es so wäre, betrifft der Konflikt doch letztlich die gesamte Gruppe. Die Frage ist doch vielmehr, wie es die einzelnen Gruppenmitglieder (mich immer mit eingeschlossen) ermöglichen, dass der Konflikt Raum bekommt und sich ausdehnt.

Einfach nur ein kurzer Sturm?

Meiner Beobachtung nach verstärkten gewissermaßen die Altersunterschiede diesen Konflikt. Betrachtet man dieses Phänomen jedoch aus gruppendynamischer Sicht, so kann man behaupten, dass es sich hier schlicht um die Stormingphase handelt. Kurz geht es dabei um die Aushandlung von Machtverhältnissen innerhalb eines frühen Stadiums einer Gruppe. Wer nun meint, das Projekt liefe doch bereits seit Februar und die Gruppe müsse sich stabilisiert haben, übersieht, dass mit jedem neuen Mitglied die Karten neu gemischt werden.

In den letzten drei Wochen kamen 2 neue Mitspielerinnen (eine 11-Klässlerin und eine 8-Klässlerin) dazu. Aus meiner Perspektive wird durch unser Anwachsen das Proben immer spannender, weil wir lernen müssen, miteinander zu kooperieren. Waren es in der Anfangszeit hauptsächlich 7-Klässler_innen, wovon 4 von 5 auch noch in dieselbe Klasse gingen, ist es mittlerweile ein Klassenstufen-übergreifendes Projekt geworden. Somit kann es sein, dass es sich bei diesem Konflikt nur um einen kurzen Sturm handelt, der sich in der nächsten Sitzung verzogen haben wird oder der uns auf eine neue Stufe hebt. Wir werden sehen. 🙂

Ich hoffe sehr, dass jemand meine blinden Flecke erkennt und Erfahrungen mit dem Umgang mit derartigen Situationen, in denen Altersunterschiede zum Tragen kommen, weitergeben kann. Allein die Kürze des Beitrags sollte einladen, viele blinde Flecke zu entdecken. 😉 Wie erlebt und handelt Ihr in derartigen Situationen?



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