Beobachte den Beobachter – Reflexionsgespräche

Marc Godau | 26. April 2014


Beobachte den Beobachter

Nicht jede Reflexion birgt eine Lösung!

Im letzten Beitrag hatte ich davon gesprochen, dass die Altersunterschiede in der Musik-AG einen Konflikt förderten, der sich um Benehmen und Reife dreht. Wer sich benimmt, ist reif. Die eine Seite lautete dementsprechend: Ihr seid nicht reif, weil  ihr euch nicht benehmt. Die andere: Wir sind nicht nicht reif, weil wir uns sehr wohl benehmen. Siehe da, ein Konflikt; eine Verneinung der Verneinung auf beiden Seiten.

Benehmen hieße hier etwa, nicht auf Apps herumzuklimpern. Ich persönlich teile eine solche Einstellung nicht. Ich hatte bereits in einem anderen Blogbeitrag beschrieben, dass die explorativen Phasen innerhalb des Projektes einen Platz finden müssen!  Ich vermute jedoch, dass auch meine Bemühungen in der Sitzung vom 2. April das jeweilige Stück zu üben, ein Gruppenklima förderten, das gewissermaßen ’schulische‘ Strenge forcierte. Ich arbeitete demnach darauf hin, als Musiziergruppe zurecht zu kommen. Das Stück sollte noch sicherer gespielt werden und die Musizierenden sollten sich noch mehr aneinander orientieren. Exploratives Verhalten wie das Austesten von Apps stört in diesem Kontext das gemeinsame Proben. Das gemeinsame Üben eines Stückes bedarf eine andere Qualität des Benehmens als etwa das Zurechtkommen beim nebeneinander Ausprobieren von Apps. Hier zeigt sich jedoch bereits, dass es ein Benehmen an sich nicht geben kann. Es kommt auf den Kontext an, in dem Benehmen beobachtet wird: Sah unsere Älteste Benehmen im Kontext des Probens, so ist es verständlich, Störungen zu vermeiden. Dahingegen sah unsere Jüngste Benehmen im Kontext des gemeinsamen musikbezogenen Agierens im Raum, wobei hier keine Störung vorlag, denn beim Appaustesten hatten die Tester richtig Spaß.

In einem Reflexionsgespräch am Ende der Appmusik-AG fragte ich, was wir in der nächsten Stunde anders machen sollten. Daraufhin schlugen die 7-Klässler vor, dass sie sich benehmen sollten. Die Älteste zählte mehrere Dinge auf, die man nicht machen sollte und die für mich ziemlich stark nach pädagogischer Maßregelung klangen.

Da die Reflexion ziemlich spät einsetzte und die meisten schon weg mussten, konnte ich daran nicht genügend ansetzen. (Was ich beim nächsten Mal nachholen werde!) Es sei soviel vorweg genommen: Wenn man evaluieren will, was anders werden soll, dann hilft es meiner Erfahrung nach nicht viel, über No-Go´s zu sprechen. Wenn man weiß, was nicht geschehen soll, bleibt erst einmal unklar, was stattdessen geschehen soll, auch wenn wir im Alltag oftmals so argumentieren mögen. Nehmen wir einmal an, wir würden uns jedes Mal sagen, was wir beim nächsten Mal nicht mehr machen, dann werden wir wohl eines Tages gar nicht mehr zur Probe kommen können 🙂 .

Mich interessiert hier besonders, wie Ihr mit euren Musikgruppen Störungen reflektiert? Wie verhelft Ihr Kindern und Jugendlich dabei, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen?



Eine Antwort zu “Beobachte den Beobachter – Reflexionsgespräche”

  1. Martin Neuhold sagt:

    Hi,
    Als In der Jugendarbeit tätiger Sozpäd will ich hier mal meinen Senf dazu geben:
    Den entscheidenden Punkt hast du am Schluss schon angesprochen: darüber zu reden, was NICHT sein soll bringt nicht viel. Das Wort „nicht“ wird vom Unterbewusstsein ignoriert. Wenn man also darüber redet, was nicht sein soll, verstärkt man genau das, was nicht sein soll, dadurch, dass im Bewusstsein Bilder vom „Unerwünschten“ herauf beschwört. Zusätzlich gehen am Ende der Einheit besprochene und abgesprochene Inhalte bis zum nächsten Mal verloren. Reflexion am Schluss soll eher dazu dienen, Vorfreude auf’s nächste Mal zu wecken.
    Ich würde am Anfang der nächsten Einheit darüber reden, wie es heute sein soll, was passieren soll. Und als Regel das Wort „nicht“ verbieten. Und eventuel nach Situationen suchen lassen, in denen es schon so war, wie es heute sein soll (um Bilder con der „erwünschten“ Situation möglichst intensiv ins. Bewusstsein zu holen und die „unerwünschten“ Bilder in den Hintergrund zu schieben.
    Und am Ende der Stunde könnte man als Reflexion zusammen tragen, was heute gut war, was das Highlight war (um die Bilder davon noch mal zu verankern und Vorfreude zu wecken)
    Wir fokussieren in unserer Gesellschaft gerne auf das Negative und dadurch bestärken wir es. Deshalb kann ein Fokus auf das positive helfen.
    Das Wichtigste in der Jugendarbeit ist aber: Gelassenheit und Humor, weil es am Ende oft doch anders läuft, als man denkt 😉

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