Dem Song auf der Spur

Erik Noack | 2. Juni 2015

Seit Mitte April findet in der Stechlinsee-Grundschule in Friedenau ein Kooperationsprojekt im Rahmen von app2music statt. Es geht konkret um die Kompositions-AG die von der Musiklehrerin Frau Wesche geleitet wird. Im Vordergrund steht hier weniger das gemeinsame musizieren sondern eher das Fixieren kreativer Ideen. Mit Hilfe von iPads und Musikapps soll es den Schülern ermöglicht werden ihre musikalischen Konzepte festzuhalten. In kleinen 2er Gruppen soll letztendlich ein Song mit Text entstehen.

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Strophe und Refrain, Wer singt was?

Meine größte Sorge bestand anfangs in der Frage, ob die Schüler_innen die iPads als eigenständige Instrumente bzw. Kompositionshilfe annehmen. Das lag daran, dass die Stechlinseegrundschule musikbetont ist und die Schüler schon früh Kontakt mit „herkömmlichen“ Instrumenten haben. Durch Vorteile wie z.B. die Möglichkeit eigenständig zu arbeiten, verflüchtigten sich die Sorgen jedoch relativ schnell.

12 Spuren und mehr

Verwendung findet in der Musik-AG die App Garageband, eine verbreitete App für Musikproduktion. Die Schüler_innen können einzelne Spuren mit Melodie-, Akkord- oder Beatinstrumenten, welche in der App schon integriert sind, sowie Gesangsaufnahmen arrangieren. Darüber hinaus lassen sich auch weitere Musikapps, die auf den iPads installiert sind, in Garageband aufnehmen.

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Ein düster klingendes Songprojekt mit 12 Spuren.

Der einzige Junge in der AG arbeitet allein. Er komponiert einen Song, der mittlerweile 12 Spuren umfasst, darunter Instrumente wie Gitarre , Klavier, Drum-Machines aber auch die App „Soundprism Electro“. Der Song handelt von einem apokalyptischen Szenario in dem ein Wirbelsturm über Berlin hinwegfegt. Dementsprechend düster fällt der Songtext aus welcher teilweise gerappt aber auch „spoken word“ artig gesprochen wird. Kurioserweise wird die Stimme nochmal durch Effekte prozessiert. Ich finde beachtlich, wie sich die Schüler_innen bei der Komposition/Produktion schon bereits eigenständig und intuitiv mit dem Mischen und  Schneiden der Spuren auseinandersetzen.

Methodenmix

Bei den anderen Gruppen arbeiten Frau Wesche und Ich mit realen Instrumenten, sprich Klavier und Gitarre um zu Beginn eine Harmonie oder Songstruktur zu erschaffen. Mit einem Mädchenduo haben wir auf diese Weise zuerst die Metrik ihres Textes angepasst. Der Song handelt von Freundschaft und Vertrauen. mit der Gitarrenapp ließen sich die Takte und Akkordfolgen ( A-moll- D-moll  und C-Dur – A-moll) schnell in Spuren übertragen.

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Songwritingsession mit Ipad, Verstärker, Papier und Stift

Mit meinen Überredungskünsten konnte ich das zweite Mädchen letztendlich doch dazu bewegen, die Strophe zu singen, während der Refrain wie ein Gedicht vorgetragen wird. Ihre Partnerin ließ gleich zu Beginn die Rampensau raus. Letztendlich waren die beiden auch  in der Lage mit Hilfe der App den Song auch zu performen ohne die Aufnahmen von Garageband einfach abzuspielen. Der großartige Nebeneffekt dabei: Die Mädchen konnten jetzt alleine ihre Textstruktur üben und umarrangieren.

Ich bin gespannt wie die weiteren Kompositionen sich entwickeln werden, aber auch, wie sie sich in Hinblick auf unseren Konzertbeitrag bei der Fete de la Musique am 23.6. in musizierbare „Liveversionen“ umgestalten lassen.

Ich werde weiter berichten,

Erik

…ist Gitarrist und Songwriter. Maßgeblich beeinflusst ist er durch Heavy-Metal-Musik sowie dem „shredgenre“. Er ist größtenteils Autodidakt mit Weiterbildung an der Jazzschule Berlin und viel Liveerfahrung im Rock und Metalkontext: u. a. durch zahlreiche Festivalauftritte mit der „Maximaltechnogruppe“ Schluck den Druck. Seit April 2015 leitet er an Berliner Grundschulen Appmusik-AGs und ist begeistert von den digitalen und didaktischen Möglichkeiten in Bereich Songwriting und Bandarbeit, was mit Kindern ohne besondere musikalische Vorerfahrungen toll läuft. Soundprism sowie ThumbJam im „cello“-Mode begeistern ihn in Sachen Appmusik ganz besonders.


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