Ein Experiment

Stefanie Hartwig | 26. Juni 2014

Draußen an die Tür hatte ich einen Zettel angebracht, auf dem stand: „Bitte nicht stören – Wir führen ein Experiment durch!“. Als dann die Kids den Raum alle gleichzeitig betreten haben, erhielten sie eine Nummer. Ich zählte sechs Schüler und eine Schülerin, die sich der Reihenfolge nach um unser Kopfhörer-Mischpult, das JamHub, platzierten. In dieser Zusammensetzung der Schülergruppe hatten wir noch nicht zusammengespielt, es war auch ein neuer Schüler dabei. // Glaßbrenner GS, 18.06.2014, Stefanie Hartwig

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Der Beat steht. Nacheinander setzen die Schüler mit ihren Apps ein.

Die Tablets hatte ich so vorkonfiguriert, dass jedem indirekt eine Aufgabe zugeteilt wurde:

  1. Rhythmus,
  2. Bass,
  3. Synth A (Frage),
  4. Synth B (Antwort),
  5. Chords (Piano),
  6. Chords (Pad) und
  7. begleitendes Choir-Pad.

Als ich den Schüler_innen kurz erklärte, dass wir heute ein kleines Experiment durchführen, fanden sie das sehr spannend, auch wenn zunächst ein großes Fragezeichen im Raum stand.

Der Reihenfolge nach

So ein Experiment hatte ich schon einmal an einer anderen Schule ausprobiert. Nun war ich neugierig, ob es auch in der Glaßbrenner-Appmusik-AG funktioniert. Einige von den gewählten Apps kannten die Schüler_innen noch nicht, was aber kein Problem darstellte.

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Das Pattern sollte exakt sein. Dazu galt es sich am Spiel des Nachbarn genau zu orientieren. 

Der Reihenfolge nach zeigte ich einzeln den Schüler_innen jeweils zwei bis drei Möglichkeiten, was mit der jeweiligen App gespielt werden könnte. Auch bekamen sie die Möglichkeit, eigene Interpretationen einzubringen. Wichtig war mir an dieser Stelle nur, dass die App und das jeweils vorgegebene Preset nicht verändert wurden, um eine gewisse klangliche Ausgewogenheit herzustellen.

Bewusst habe ich darauf verzichtet, den Schüler_innen vorzugeben, nach wie viel Takten sie einsetzen sollen. Diese Frage kam zwischendurch öfter. Jedoch beantwortete ich diese Frage mit: „Das ist dir selbst überlassen, am besten, du setzt genau dann ein, wenn du denkst, jetzt musst du einsetzen. Also genau dann, wenn du fühlst, dass es zum Spiel der anderen passt.“ Um das Finden des Schlusses zu koordinieren, habe ich dann nacheinander Spieler abgewunken.

Von der Basis zum Beat

Im Folgenden möchte ich kurz erläutern, wie sich die Aufgaben im Detail zusammensetzten:

Die Musikapp “DM1” war unser Taktgeber. Damit habe ich einen einfachen Rhythmus programmiert, nach dem sich die Schüler_innen orientieren konnten.
Nummer 1 hatte die Aufgabe “DM1”, den Rhythmus und damit unseren Song zu starten. Dann solle er zur App “SampleTank” wechseln um mit weiteren Drum-Sounds dazu zu spielen. Der DM1-Rhythmus lief dabei im Hintergrund weiter.

Nummer 2 spielte den Bass mit der App “iFretless Bass”. Ich schlug eine Spielfigur vor, die den anderen mögliche Einsätze signalisierte. Nach kurzer Zeit war das Fundament aus Drums und Bass sicher.

Nummer 3 spielte einen Synthesizer-Sound, dessen Spielfigur wie eine „Frage“ klang. Die Synthesizer-App „Nanologue“ klingt richtig gut, doch dessen Spieloberfläche ist aus meiner Sicht nicht so gut geeignet. Daher hatte ich die App ChordPolyPad dafür als Steuerung genutzt, die eine vereinfachte Spieloberfläche anbietet.

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Mittig oben sieht man die App „Nanologue“, rechts daneben „ChordPolyPad“, „iFretless Bass“ und unten „SampleTank“.

Nummer 4 spielte die „Antwort“ ebenfalls mit dem App-Synthesizer „Nanologue“. Doch war die Klangeinstellung dadurch kennzeichnete, dass sie zwei Oktaven tiefer spielte und melodisch komplementär zur Frage gestaltet war. Das Spiel war ein wenig schwieriger, da ich die Schülerin direkt auf dem iPad-Keyboard spielen ließ. Damit wollte ich den Schwierigkeitsgrad etwas anpassen. Da die Töne jedoch in der Kürze der Zeit doch etwas schwierig zu spielen waren, haben wir das ganze einfach abgekürzt und nur den Anfang als Antwort gespielt.

Nummer 5 sollte Gefühl in unseren Song bringen und mit rhythmisch-gleichmäßigen Stage-Piano-Chords auf der App „SampleTank“ den Spannungsbogen bilden. Er wurde durch einen flächigen Sound ergänzt, gespielt von Nummer 6 in halber Geschwindigkeit.

Im Gegensatz zu den anderen Bandenmitgliedern hatte Nummer 6 anfangs Schwierigkeiten, richtig einzusetzen. Nachdem ich ihm dann den Tipp gegeben hatte, einfach auf den Bass zu achten und die beiden entscheidenden Stellen „hoch und tief“ sind, konnte auch er sich eingrooven.

Nummer 7 hatte im Prinzip die schwierigste Aufgabe zu bewältigen: das i-Tüpfelchen. Auch hier habe ich die App “SampleTank” und das Preset (Choir) vorgegeben. Auf weitere konkrete Vorgaben hatte ich jedoch verzichtet. Der Schüler sollte selbständig aktiv werden, was schnell funktionierte. Auf das Ergebnis waren wir beide ganz stolz.

Kurzes Fazit

Die folgende kurze Videoszene zeigt einen Ausschnitt eines Durchlaufes zum Ende der Veranstaltung. Am Anfang gibt es in der Gruppe Schwierigkeiten, sich zu koordinieren. Durch mein einfaches Dirigat kamen die Schüler_innen zusammen und spielten sich nach und nach frei.

Das Experiment war ein Erfolg! Es hat nicht nur mir Spaß gemacht, sondern auch den Schüler_innen, die trotz Müdigkeit erstaunlich viel geleistet hatten. Wer hätte gedacht, dass wir es wirklich schaffen, innerhalb einer Veranstaltung von etwa 90 min. einen ganzen Song auf die Beine stellen? Er ähnelt dem Song „Das Model“ von Kraftwerk 😉

asd

Experiment geglückt. Wir haben heute einen coolen Song geschafft! // Foto: Stefanie Hartwig

 



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