Beobachte den Beobachter – Aurales Lernen

Marc Godau | 28. Juni 2014

 Aural Learning EhlersWir benutzen innerhalb der Musik-AG nur sehr selten schriftliche Formen, um neue Musikstücke zu lernen. Aber wie bringen wir uns dann neue Stücke bei? Neben dem Improvisieren, Komponieren oder schlicht Erinnern nutzen wir häufig die Methode des auralen Lernens; das Heraushören von Musik. Der Jazzmusiker David Dorůžka berichtete mir vor einigen Jahren, dass er diese Lernform deswegen so liebe, weil man dabei den Eindruck gewinnt, mit den auf der Aufnahme zu hörenden Musiker_innen bzw. der Band mitzuspielen. Man kann so zusammen mit seinen großen Vorbildern in einer Band spielen.

Was ist aurales Musiklernen?

Denkt man an das Erlernen eines Instrumentes, dann kommen einem vielleicht Bilder in den Kopf wie Notenblätter und Übungsheften, nach denen man sich richtet – und die man am Anfang erst einmal entziffern muss. Anders ist das bei Lieblingssongs z.B. aus dem Radio. Plötzlich können wir das Lied singen, ohne dass wir uns die Noten gesucht hätten. Wie geht das? Besonders für Musiker_innen innerhalb der sogenannten Populären Musik stellt das sogenannte aurale Lernen  eine alltägliche Methode dar, sich neue Songs auf ihrem Instrument beizubringen. Es handelt sich kurz um das Heraushören von Musikstücken im Gegensatz zu schriftlich fixierten Methoden mittels Notentexten o.ä.

Es müssen nicht immer Noten sein! Aurales Lernen bietet eine Alternative.

Es müssen nicht immer Noten sein! Aurales Lernen bietet eine Alternative.

Für das Appmusizieren bedeutet das, das Mitspielen der jeweiligen Instrumentenstimme auf der App während man das Musikstücks hört. Man bringt sich als Musiker_in eine Melodie, einen Rhythmus oder eine Begleitung durch das Mitspielen selbst bei.

Warum ein Hörbeispel nutzen?

In unserer Appmusik-AG an der Ehlers-Schule verwenden wir diese Methode seit der Anfangszeit regelmäßig. Wir führen keine Gespräch darüber, wer welches Instrument schon spielen kann, sondern legen direkt mit dem Musikmachen los. Im Laufe der Zeit haben sich drei Herangehensweisen herausgebildet: 

  1. Songstruktur: Wir verschaffen uns einen Überblick über das Musikstück und hören erste Melodien und Rhythmen ab.
  2. Üben des Zusammenspiels: Der Song läuft weiter, auch wenn einer der Gruppe rauskommt. Besonders Lana erwähnte, wie sich dieses Musizieren vom herkömmlichen Spielen als Gruppe unterscheidet, bei dem sich jeder an jedem orientiert. Wir können dann langsamer werden, den Song bei ‘Verspielern’ abbrechen, um an einer bestimmten Stelle wieder einzusteigen, oder beispielsweise nur den Refrain üben. Beim Auralen Lernen ist erst einmal anders: Es ähnelt fast einer Auftrittssituation, in der man mit dem Song mitspielen muss. Egal was passiert, der Song läuft weiter.
  3. Ersetzen fehlender Appmusiker_innen: Wenn z.B. krankheitsbedingt Schüler_innen fehlen oder wir uns an das Erarbeite der letzten Stunde nicht mehr so recht erinnern, nutzen wir das Dazuspielen zu unseren eigenen Aufnahmen. Somit spielt jeder letztlich zu dem, was er oder sie selbst eingespielt hat und man kann direkt als Gruppe musizieren, ohne erst für jede/n einzeln das Gelernte rekapitulieren zu müssen. 

Beispiel: »Beneath your beautiful«

Im dem kurzen Video, das Auschnitte aus 4 Wochen Probe zeigt, sieht man anhand des Stücks »Beneath your beautiful«, wie wir die aurale Lernmethode von Anfang an zur Erarbeitung dieses Stücks nutzen. Das Stück hatte die Chorleiterin der Schule vorgeschlagen. Es sollte zusammen mit dem Chor auf dem Schulkonzert gespielt werden. Wir hatten deshalb keine Sänger_innen festgelegt, da wir die Instrumentalparts übernehmen sollten. In den Proben (und sogar auch in der Generalprobe vor dem Auftritt) haben wir immer wieder zu einer Aufnahme des Songs dazu gespielt, wodurch wir gerade fehlende Spieler_innen ersetzten und oder auch ohne den Chor proben konnten. Das Video zeigt ein paar Ausschnitte aus verschiedene Proben, in denen wir manchmal als Gruppe, manchmal aber auch alleine oder paarweise den Song gelernt haben.

Wie machen wir das?

Innerhalb der Gruppe wird eine/r dazu bestimmt, den Song zu starten oder zu stoppen. Entweder wird der Song über die vorinstallierte Musikapp im Hintergrund bzw. auf einem gesonderten Gerät abgespielt oder er wird wie beispielsweise im Video zu sehen bei RhythmPad direkt in der App gesteuert. Dazu ist zu sagen, dass es viele Musikapps mit dieser Funktion gibt. Besonders beim Lernen von Schlagzeugbeats gelingt es, ohne größere Absprachen die Rhythmen umzusetzen. Es geht eben um ein Ausprobieren und Herausfinden und nicht darum, das von mir als Lehrenden Vorgegebene ‚einfach‘ zu reproduzieren.

Die Gruppe spielt zur Aufnahme des Songs mit

Die Gruppe spielt zur Aufnahme des Songs mit

Dieses Vorgehen schafft auch eine Flexibilität: Wenn wir uns in der Stunde spontan dafür entschließen, ein von den Teilnehmer_innen mitgebrachtes Stück zu spielen, dann kann ich gar nicht alles vorbereitet mitbringen. Dann suchen wir alle gleichzeitig, wie man den Song spielt.  Da ich selbst musikalisch durch auralen Lernen sozialisiert wurde, habe ich keine weiteren Berührungsängste mit dieser Methode. Ich weiß jedoch auch darum, dass selbst Musiker_innen, die täglich Musik heraushören, sich davor scheuen, diese Lernform im Unterricht zu nutzen. Auch hier kann man nochmals Lana anführen, die vielleicht beispielhaft dafür steht, dass im traditionellen Instrumentalunterricht diese Lernmethode keine große Beachtung findet.   Deshalb möchte ich hier besonders danach fragen, welche Erfahrungen ihr mit dem Heraushören in AGs gemacht habt?  



Kommentar verfassen