Ey man, wo ist mein Auto… tune?

Erik Noack | 26. Juni 2017

In der AG an der Bertolt Brecht Oberschule in Spandau haben wir versucht uns dem Thema ueberschall aus einer etwas anderen Perspektive zu nähern. Nachdem wir mit unterschiedlichen Methoden musikalische Extreme und ihre Parameter mit diversen Apps erforscht haben, ging es recht schnell zum Songwriting über. Bei einigen Schüler*innen gab es eine besondere Vorliebe für Cloudrap und Hip Hop generell. Da lag es nicht fern sich dem Thema Stimme zu widmen.

 

Ich kann doch gar nich singen!

„Autotune“ ist mittlerweile zu einem eigenständigen Stilmittel in der Popmusik geworden, ist es doch ursprünglich konzipiert worden um nachträglich im Studio bei Gesangsaufnahmen, die Tonhöhe zu regulieren, falls mal die eine oder andere Line nicht perfekt eingesungen wurde. Wenn man nun total schief singt wird es sehr offensichtlich wie der Audioprozessor die Tonhöhe korrigiert.

Dieser Effekt wird mittlerweile fast schon inflationär verwendet und ist für bestimmte Genres wie Cloudrap ein Distinktionsmerkmal. Einer der ersten Songs in dem man diesen Effekt hören konnte war der Song „Believe“ von Cher.

 

Eine Schülerin in der Ag näherte sich persönlich dem Thema ueberschall und Extreme auf lyrische Art und verfasste den Text zu dem Song „limit“.

Chorus:

Mit ueberschall steigern wir uns bis ans Limit,

ein großer Knall und unser Fehler der ans Licht tritt,

Wir haben die Grenzen gesprengt doch etwas dabei verdrängt,

Die Höhe ist nicht wovon es abhängt.

In den Strophen werden unterschiedliche soziale Extreme thematisiert aber auch dafür plädiert die persönlichen Grenzen zu überschreiten um seine/ihre Träume in Freude und Freiheit leben zu können.

 

Technik

Musikalisch haben wir versucht zuerst Grundstrukturen für den Song „Limit“ zu schaffen. Hierfür haben wir Beats, Basslines und Flächen in der App „Auxy“ programmiert. Die Apps „Soundprism Link“ und „Thumbjam“ werden live zu der Songstruktur performt. Bei der Umsetzung der Songtextes wurde es doch schon recht kompliziert. Der Refrain wird live gesungen und zwar mithilfe eines iRig HD Mikrophons von IK Multimedia, welches sich direkt am Ipad anschließen lässt um so mit der Stimme bestimmte Apps anzusteuern.

81oduCyPqHL._SL1500_

 

Zuerst spielten wir mit der App „Voice Synth“ herum die sich als wenig intuitiv erwies. Weitaus besser ließ sich die App „VoxSyn“ nutzen, die Vocoder-, Synth-, Pitch- und viele weitere Effekte bietet. Der Umgang mit den Apps ist nicht ganz einfach. Intonation, Eingangspegel und sinnvolle Effektauswahl sind einige Problemhürden. Natürlich interessiert uns die „Autotune-Funktion“ am meisten und so stellte sich heraus, dass man doch ein wenig singen können muss um den Effekt und die App an sich gezielt einsetzen zu können. Es folgten knallharte Gesangsübungen…

 

KataStrophe

Um die große Fülle an Text bzw. die Strophen nicht live singen zu müssen sind wir zum samplen übergegangen. Durch Zufall entdeckte einer der Schüler die App „MelodyMiner“. Man singt einfach einen Text ein und die App fügt automatisch Akkorde und eine super kitschige Instrumentation (80s Casio Keyboard playbackstyle) hinzu, die einfach nur furchtbar klingt.

Die Akkorde (Tonart) lassen sich jedoch verändern und haben auch ihren Einfluss auf die Intonation der aufgenommenen Stimme. Die Instrumentation lässt sich ausschalten und zack! Da haben wir unsere Strophen, welche im Spokenword-Style rezipiert wird. Anschließend haben wir die Strophen in die App „Blocswave“ kopiert um sie effektiv als Sample nutzen zu können. Hiermit konnten wir auch nachträglich das Tempo verändern und auf einzelne Strophenteile zugreifen.

Wie man sieht muss man einen kleinen technischen Overkill starten wenn man Grenzen überschreiten möchte. Wir sind gespannt wie wir den Song am Ende auf dem Abschlusskonzert umsetzen werden. Es wird auf jeden Fall extrem experimentell!

 

…ist Gitarrist und Songwriter. Maßgeblich beeinflusst ist er durch Heavy-Metal-Musik sowie dem „shredgenre“. Er ist größtenteils Autodidakt mit Weiterbildung an der Jazzschule Berlin und viel Liveerfahrung im Rock und Metalkontext: u. a. durch zahlreiche Festivalauftritte mit der „Maximaltechnogruppe“ Schluck den Druck. Seit April 2015 leitet er an Berliner Grundschulen Appmusik-AGs und ist begeistert von den digitalen und didaktischen Möglichkeiten in Bereich Songwriting und Bandarbeit, was mit Kindern ohne besondere musikalische Vorerfahrungen toll läuft. Soundprism sowie ThumbJam im „cello“-Mode begeistern ihn in Sachen Appmusik ganz besonders.


Eine Antwort zu “Ey man, wo ist mein Auto… tune?”

Kommentar verfassen