Popsongs mit Apps Nachspielen

Stefanie Hartwig | 25. März 2014

Am 19. März 2014 hatten wir uns vorgenommen den Popsong „Summertime Sadness“ von Lana Del Ray im Rahmen der Appmusik-AGs “app2music” allein mit Musikapps auf iPads zu spielen. In unserer spontanen Band waren 5 Schülerinnen der vierten und fünften Klasse aus der Adolf-Glasbrenner Grundschule.

Die Herausforderung

Zunächst mag das Nachspielen von Songs für Kinder intuitiv eine gute Idee für das Musizieren in Appmusik-AGs sein, da sie vom eigenen Mitsingen das Gefühl haben, sie würden das Stück in und auswendig kennen. Wenn es um die Umsetzung geht, sind sie allerdings auch sehr konzentriert auf den Original-Sound, was zum Teil notwendige Veränderungen des Songs erschwert.

Der in diesem Fall von den Mädchen ausgewählte Song „Summertime Sadness“ konzentriert sich zunächst auf dichte flächige Sounds, die eine eher traurige Stimmung erzeugen. Es folgt der Gesang, der in englischer Sprache für Grundschüler nur schwer verständlich ist. Später setzen unterschwellig komplexere rhythmische Elemente ein, die im Soundteppich aufgrund der emotionalen Tiefe nahezu verschwinden und deshalb auch nur schwer für die Kinder wahrnehmbar sind. Zu beobachten war, dass harmonische Wechsel des Songs in Ansätzen gut erkannt wurden, die Abwesenheit eines klaren Taktgebers durch den Rhythmus jedoch Schwierigkeiten bereitete und somit für das Nachspielen keine Orientierung liefern konnte.

app2music_glassbrenner_maerz2014h

Die beiden Mädchen, die sich den Song gewünscht haben, waren nun doch nicht mehr bereit zu singen, so dass sich beide Neuzugänge erst mal damit beschäftigten, den Songtext in den Griff zu bekommen. Das stellte sich als ziemlich aufwändig heraus. Das Weglassen des Gesangs kam jedoch für niemanden in Frage. Die Annäherung an das Original war recht diffizil, da die Stimmung des Songs sich vor allem aus der Stimme ergibt. Ein weiterer Grund für das Ausbleiben eines schnellen Erfolgserlebnisses war wohl auch, dass die Jungsband im selben Raum probte. Unsere Mädchenband übte mit Kopfhörern. Die Jungs spielten mit einem kleinen Lautsprecher „Get Lucky“ von Daft Punk, was jedoch deutlich wahrnehmbar war und bei einem so stillen und traurigen Song irritierte.

Vom Werden

Während Sehri und Lulila mit den Apps „ThumbJam“ und „Soundprism“ das Intro einstudierten, hatte Lea bereits den ganzen Ablauf durchstudiert, weil ihr Part mit der App „Gitarism“ erst kurz nach dem Rhythmus einsetzte. Ceyda und Blue Girl kämpften noch immer mit den ersten Zeilen des Songtextes. Zentrale Herausforderung war es den englischen Text schließlich rhythmisch, melodisch und harmonisch im Einklang mit den anderen Bandenmitgliedern nachzusingen. Um das Zusammenspiel zu erleichtern, sollte deshalb ein mit DrumStudio vorprogrammierter Rhythmus dabei helfen, besser im Takt zu spielen und zu singen, was schließlich auch recht gut funktionierte. Die Zeit verging wie im Flug. Bei der abschließenden Präsentation spielten wir ad hoc, halb improvisiert, unser erstes musikalisches Ergebnis vor. Das klang leider nicht ganz so wie erhofft

Fazit

Ich ging ein wenig nachdenklich aus dieser Stunde, da ich die Probleme, die mit diesem Song auftauchten, bereits erahnt hatte. Wenn der Song nicht „kindereinfach“ und in einer gewissen Zeit realisierbar ist, dann überwiegt die Frustration, es nicht geschafft zu haben. Die Kinder denken viel zu sehr an das Original. Dabei ist die Reproduktion sehr anstrengend, wobei das Musizieren im Team kaum noch eine Rolle spielt. Nichts ist für das gemeinsame Musizieren kontraproduktiver, als vermeidbare Hürden, die dem gemeinsamen Musikmachen im Wege stehen und die Stimmung drücken.

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In einer anderen Musik-AG (Touching Music) habe ich parallel mit dem Thema Nachspielen von Popsongs experimentiert, um herauszufinden, ob es an der Umgebung (zwei relativ große Gruppen in einem Raum, hoher Geräuschpegel) liegt, oder ob das Nachspielen grundsätzlich eine besondere Herausforderung darstellt. Der Versuch, Songs möglichst originalgetreu nachzuspielen, funktionierte in keinem von 3 Teams sonderlich gut. Die Probleme waren ähnlich.

Hier schlage ich zwei Ansätze vor, in Zukunft mit dieser Problematik umzugehen:

  1. Wollen die Kinder einen Popsong nachspielen, würde ich ihnen beim nächsten Mal nicht komplett die Wahl des Songs überlassen, sondern zwei oder drei Songs vorschlagen, die ich in der Praxis für leichter umsetzbar halte.
  2. Wir nehmen einen von den Kindern gewählten Popsong zunächst als Anlass, um zu musizieren, indem wir uns improvisiert Stück für Stück frei daran annähern. Ein selbst erfundener Song macht den Kindern sicher viel Spaß. Dabei würde ich den Kindern bestimmte Instrumente zuteilen und darauf achten, dass ein möglichst großer Spielraum in der Umsetzung bleibt, intuitive Erfolge zulassen und nach und nach näher an den Popsong heranführen.

Ich bin nun gespannt, wie sich Stücke nach diesen Ansätzen entwickeln und werde berichten. Klar, die Schwierigkeit mit Popsongs in Musik-AGs umzugehen sind nicht neu, betreffen sie doch auch die Band-AG. Sicher gibt es noch weitere Ansätze. Was sind eure Erfahrungen? Habt ihr auch schon mit Apps Popsongs in der Grundschule musiziert? Wie seid ihr vorgegangen?



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