Tandem: Kanon-Futter an der Scharmützelsee Grundschule

Erik Noack | 26. Februar 2017

Am Mittwoch den 22.02.2017 haben wir ein Tandemprojekt in der Scharmützelsee durchgeführt. Um app2music mehr in die Schulkultur einzubinden, konzipieren wir daher in gewissen Abständen eine Musikunterrichtsstunde zusammen mit den jeweiligen Lehrern der kooperierenden Schulen. Gemeinsam der Musiklehrerin Yulia Gören von der Scharmützelsee Schule haben wir diesmal eine Unterrichtsstunde für eine 6. Klasse konzipiert und durchgeführt.

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Dieser Brief erreichte uns ein paar Tage nach der Tandem-Musikstunde. Wir haben uns riesig gefreut.

Auf dem Plan standen Tänze, Instrumentalbegleitung sowie Epochen und Komponisten. Laut Yulia ließen die Schüler*innen jedoch durch scheinen, dass sie weniger  auf Nussknacker und 4 Jahreszeiten sondern mehr auf Popmusik Lust hatten.

So kam es uns in den Sinn in Richtung „Klassik-Mashups“ zu gehen. Inspiriert von einer  funkigen Version von Beethovens 5. Sinfonie (Walter murphy –  OST Saturday Nightfever ) suchten wir nach einer musikalischen Grundlage zum herum experimentieren. Wir bekamen den Tipp, uns an Johann pachelbels Kanon in D zu orientieren. Pachelbels Kanon hat schon seit längerer Zeit seinen Einzug in die Popmusik gefunden und geht was das angeht mittlerweile schon in Richtung Satire, sodass es fast schon kurios wirkte, sich der Akordfolge aus dem Stück widmen.

Kanon-Futter vom Feinsten

Yulia hatte im Vorfeld mit den Schüler*innen die Akkorde im Unterricht behandelt und schon mit Klanghölzern etc. gespielt. Die Idee bestand nun darin sich in 4 verschiedenen Gruppen mit der Akkordreihenfolge auseinanderzusetzten, sie mit unterschiedlichen Apps spielen zu lernen und die Arrangements um die Akkorde herum neu zu vertonen.

Ziel war es innerhalb der  2 Schulstunden einen Bruch zu schaffen zwischen Klassik und Pop. Es sollte um die Frage gehen „warum Klassik so klingt wie sie klingt“. Die gleiche musikalische Grundlage wirkt natürlich total anders mit Synthesizern und Drumbeats statt mit 3 Violinen und Generalbass.

Gruppenarbeit Scharmützel tandem

Inwiefern hat also klassische Musik Relevanz in der Lebenswelt der Kinder? wird sie doch von größtenteils vielen, verwurstelt in Form von Videospielen, Werbung oder Filmen wahrgenommen. Wieviel ist wirklich „Neu “ von dem was wir hören wenn der nächste Hit im Radio ertönt oder besser gesagt die Millionen Aufrufe bei Youtube knackt. Diese Erkenntnis und die Reflektion darüber sollte Bestandteil der  Unterrichtsstunde werden.

Gruppenarbeit

Nach der Arrangement- und Kompositionsphase sollten sich die Schüler*innen ihre Kreationen gegenseitig vorführen. bei den verwendeten Apps handelte es sich bei einer Gruppe z.B um chordion, ondes, patterning. Eine andere Gruppe benutzte wiederum NaviChord, SoundPrism, GarageBand, ThumbJam und DM1,  so dass die Ergebnisse klanglich sehr unterschiedlich ausfielen.

Eine Gruppe benutzte z.B exklusiv nur Auxy. Hier bestand die Aufgabe nicht die Akkordfolge live zu spielen sondern zunächst in den Sequenzer einzugeben. Sobald die harmonische Grundlage geschaffen war konnte man sich andereren Parametern wie effekten, Drumsounds, Tempo oder Tonart widmen. Zu guter letzt war man hier in der Lage sich auf Knopfdrück „Pachelbels Kanon“ in Moll anzuhören, was sofort den Geschmack der Gruppe zu treffen schien. In den Soundbeispielen sind beide Versionen zu hören.

auxy D, Am

D, Am, F#m usw.

 

Coolio in D

Eine  Fragerunde sollte klären worin die Unterschiede und Ähnlichkeiten der verschiedenen Versionen bestehen. Am Ende der Präsentation wurde das Original vorgestellt, welches die Kinder bis dahin noch nicht gehört haben sollten. Direkt im Anschluss wurde ihnen eine  Hip Hop version von Coolio (C U When U Get There) präsentiert. Hier sollte nochmal die Differenz zu Tage treten und den  Schüler*innen klar werden, dass wir ähnlich vorgegangen sind.

Nach kurzen Zögern und dem Kommentar, das sei doch das Gleiche, startete der Beat und die Rapstrophe. Ein Grinsen machte sich auf dem Gesicht der Kinder breit und einige ließen es sich nicht nehmen aufzuspringen, zu tanzen und HipHop-Gestiken zum Besten zu geben. Ein paar schöne Erinnerungen haben uns die Schüler*innen auch zukommen lassen.

 

Viel Spass beim Anhören der Gruppenarbeiten!

 

 

danke 2

…ist Gitarrist und Songwriter. Maßgeblich beeinflusst ist er durch Heavy-Metal-Musik sowie dem „shredgenre“. Er ist größtenteils Autodidakt mit Weiterbildung an der Jazzschule Berlin und viel Liveerfahrung im Rock und Metalkontext: u. a. durch zahlreiche Festivalauftritte mit der „Maximaltechnogruppe“ Schluck den Druck. Seit April 2015 leitet er an Berliner Grundschulen Appmusik-AGs und ist begeistert von den digitalen und didaktischen Möglichkeiten in Bereich Songwriting und Bandarbeit, was mit Kindern ohne besondere musikalische Vorerfahrungen toll läuft. Soundprism sowie ThumbJam im „cello“-Mode begeistern ihn in Sachen Appmusik ganz besonders.


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