TschaiKORGsky und Co.

Julian Quack | 19. Februar 2017

Neulich erreichte uns die Anfrage ob wir Zeit und Lust hätten einen Workshop mit dem Leistungskurs-Musik des Romain Rolland Gymnasiums aus Berlin-Reinickendorf zu machen. Natürlich wollten wir uns dieser Herausforderung stellen und nachdem alle Formalitäten geklärt waren ging es direkt in die Vorbereitung.

Es stand fest: Unser Workshop sollte an die Themen im Leistungskurs anknüpfen aber zusätzlich auch neue Perspektiven darauf ermöglichen. Zentrale Themen im LK waren bisher Komposition, Arrangement und grafische Notation.

Lagebesprechung mit dem LK von Herrn Minkner

Lagebesprechung mit dem LK von Herrn Minkner

Ein neues Instrument lernen

Da keine*r der 12 Schüler*innen Erfahrung im Musizieren mit Tablets hatte, wollten wir erstmal die wichtigsten Möglichkeiten der populären Apps „Thumbjam“, „SoundPrism“ und „DM1“ vermitteln. Die Kombination aus dem Wissen über Musiktheorie und den spielerischen Fähigkeiten, die so ein Leistungskurs mitbringt führte dazu, dass allen nach einer nicht allzu langen Erkundungsphase klar wurde in welchen Dimensionen man sich beim Musizieren mit Apps bewegen kann. Septakkorde in allen Umkehrungen, fette Beats und müheloses Solo-Spiel in den höchsten Lagen. Das alles nur mit 2 Fingern.

Um direkt an das Thema Komposition anzuknüpfen sollten die Schüler*innen nun mit Hilfe der in Kürze erlernten neuen Fähigkeiten ein eigenes Stück entwickeln.

Komplexe Beats lassen sich leichter zu zweit spielen

Komplexe Beats lassen sich leichter zu zweit spielen

Südamerikanische Rhythmen und Filmmusik

Die 12 Schüler*innen wurden in 2 Gruppen aufgeteilt und bedienten dort in Paaren jeweils eine der 3 erlernten Apps. Es gab in beiden Gruppen viele Ideen aber es musste eine gemeinsame Entscheidung getroffen werden. Gruppe 1 wählte einen Soundtrack zu einem Action-Film und Gruppe 2 spielte sommerliche Musik mit südamerikanischen Beats.

Die interessante Frage war jetzt: Wie schreibe ich die Musik, die ich mit den Apps gemacht habe für jemanden auf der keine Noten lesen kann? Es gibt unzählige Musik-Apps mit den unterschiedlichsten Spieloberflächen die alle eine individuelle Lösung bräuchten. Wir sind uns sicher, dass das Thema und die Ideen die dabei entstanden sind nochmal im Leistungskurs zur Sprache kommen werden.

Konzentriert geht es in die nächste Phase...

Konzentriert geht es in die nächste Phase…

Papier zu Midi

Jede*r der Schüler*innen kannte sich mit normaler Notenschrift aus, aber wie geht man an die Sache heran wenn digital Musik produziert werden soll oder muss? Um den Unterschied hervorzuheben ließen wir beide Gruppen die ersten 6 Takte aus Tschaikovskis „Juni“ vom Papier in die Midi-Spuren der App „Korg Gadget“ eintragen und ließen die Takte 3-6 im Loop laufen.

Auszug aus den Klaviernoten

Auszug aus den Klaviernoten

Der klangliche Unterschied zu einer „herkömmlichen“ Klavieraufnahme war natürlich enorm. Aber welchen Vorteil hatte man nun durch das Übertragen der Noten nach MIDI? Das wurde schnell klar, als man per Knopfdruck den gesamten Klang des Stückes ändern konnte indem man die Spuren von einem anderen Synthesizer spielen ließ oder mit einem Wisch sämtliche Stimmen in andere Register transponieren konnte. Während die Musik automatisch im Hintergrund gespielt wurde konnte man sich nun auf die Suche nach passenden Sounds begeben. Gruppe 1 versuchte sich an einer Art schrägen Horrorversion der ganzen Sache während Gruppe 2 sich für einen eher typischen Synthesizer Sound der 80er Jahre entschied und es dann sogar noch schaffte das Stück aus der ersten Arbeitsphase nach Gadget zu übertragen und mit interessanten Sounds zu versehen.

Genug auf die Folter gespannt, hier sind unsere Hörbeispiele:

Sein Werdegang führte ihn über Rock und Metal bis hin zu einer klassischen Ausbildung am Instrument. Er wirkte bereits in zahlreichen Projekten in den Bereichen Theater, Tanz und Tonstudio mit. An app2music fasziniert ihn vor allem die Möglichkeit, unmittelbar künstlerische Ideen umsetzen zu können, egal mit welcher musikalischen Vorbildung man einsteigt. Die interessanteste App für ihn ist zur Zeit „Sector“ – kontrolliertes Chaos.


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