Unser wilder Auftritt beim Sommerfest

Matthias Krebs | 27. Juli 2014

Am 4. Juli 2014 war es soweit: Das stolze DFB-Fußball-Team erreichte das Viertelfinale und sollte am frühen Abend gegen Frankreich spielen. Am selben Tag fand im strahlendsten Sonnenschein das Sommerfest der Adolf-Glaßbrenner-Grundschule statt. Das Bühnenprogramm zählte 19 Programmbeiträge, darunter auch Chor, Trommeln, Tanz und Schauspiel. Das Konzert der app2music-Musik-AG war als Höhepunkt am Ende der Veranstaltung eingeplant. Es war das dritte Konzert einer Schule, die im Rahmen von app2music mitgemacht hatte. Dieses sollte sich aber anders gestalten, als wir uns gewünscht hatten.

sdaf

Brow, Kay, Cerch und Noben mit ihren iPads auf der Bühne des Schulkonzertes. Es kann nun losgehen!

Es stellten sich eine Reihe von Schwierigkeiten ein, die ich hier schildern will:

  • Die Festbühne stand zum Zeitpunkt des Auftritts direkt in der Sonne. Die Darstellung der Spieloberflächen auf den iPads war dadurch kaum zu erkennen. Die Kinder konnten auch die Anzeige der alten Drummaschine gar nicht erkennen, die vor ihnen stand und als Metronom fungierte.
  • Zwischen dem Soundcheck um 12:30 Uhr und dem Auftrittszeitpunkt lagen fast fünf Stunden. Es ist schwer über so lange Zeit hinweg die Spannung zu halten.
  • Da der technische Aufbau mit all den Kabeln, Geräten und dem Mischpult ziemlich komplex ist, dauert es immer eine Weile, bis das Setup steht. Obwohl wir den technischen Aufbau auf einem Extra-Tisch vorbereitet auf die Bühne stellten, mussten noch Kabel zu den Bühnenlautsprechern gesteckt und die Stative mit den iPads für das Musizieren positioniert werden. Damit dies möglichst schnell von statten gehen kann, haben wir dieses Aufbauen mit den Schüler_innen genau abgesprochen und eingeübt.

Bei den bisher stattgefundenen Aufführungen der Musik-AGs von app2music (siehe Ehlers-Gymnasium, siehe Rüdesheimer Grundschule) hat sich gezeigt, dass das Herrichten der Bühne für die elektronischen Bands nicht so einfach zu realisieren ist. Wenn dieser Aufbau nicht direkt am Anfang oder nach einer Programm-Pause erfolgt, entsteht zwangsläufig immer eine recht lange Umbaupause, bis die Kinder der Appmusik-AG endlich spielen können. Das ist sicher mit einer “traditionellen” Schulband nicht anders. Für zukünftige Auftritte bedeutet das, vorher mit den Programm-Verantwortlichen zu kommunizieren, und die app2music-Band nicht als Finale, sondern zum Anfang oder gleich nach einer Pause spielen zu lassen

OnStage

Kurz vor 18 Uhr war es dann so weit. Mit klarer Aufgabenverteilung und geübten Handgriffen stellten wir alle gemeinsam das Setup für unseren Auftritt auf die Bühne. Während siz.da die Einstellungen des Mischpultes überprüfte, versuchte ich dem Publikum kurz zu erklären, was nun auf der Bühne stattfindet.

Matthias stellt vor

Nacheinander werden dem Publikum die Musiker und ihre Musikapps vorgestellt.

Dadurch, dass das Musizieren erhöht auf einem Podest stattfand, bekamen die Zuschauer kaum mit, wie wir mit den Musikapps spielen. Zu sehen war nur, dass die Kinder konzentriert auf die Pads tippten. Weder von den Apps noch vom Spiel war etwas zu erblicken. Bei anderen Konzerten hatten wir mit einem Beamer ein Kamerabild übertragen, so dass den Musizierenden über die Schulter auf ihre Hände geschaut werden konnte (siehe hier). Aber bei der direkten Sonne, hätte eine Videoübertragung wohl nichts zeigen können, da schon die Kinder kaum etwas auf ihren Pads erkennen konnten.

Um dem Publikum wenigstens einen kleinen Einblick zu bieten, haben die Spieler im Mittelteil des Konzertes ihre verschiedenen Klänge einzeln vorgespielt. Diese Form von Vorstellungsrunde nutzte ich gleichzeitig, um die Lautstärken der einzelnen Spielgeräte aufeinander abzustimmen. Zu bemerken ist, dass die Abstimmung der Lautstärkeeinstellungen mit größeren Spielgruppen eine sehr hohe Herausforderung für Aufführungen spielen kann. Neben der Schwierigkeit der klanglichen Ausgewogenheit kommt erschwerend hinzu, dass die Musizierenden ihr eigenes Spiel nur schwer aus dem Klanggemisch heraushören können. Weil die Orientierung häufig über das Hören geht, steigen sie schließlich aus. Für das Spiel im App-Ensemble werden daher Gruppen von maximal 7 Personen empfohlen.

fdsa

Zusammen auf den gemeinsame Schlusston.

Da fast zeitgleich um 18 Uhr auch das Fußball-Spiel angepfiffen wurde, war das Publikum und die Konzentration der Band nicht mehr auf voller Höhe. Tapfer hielten die Schüler_innen jedoch durch und spielten ihr Musikprogramm. Für uns war es beeindruckend, wie sicher und verantwortungsvoll mit der Konzertsituation umgegangen wurde. Bis auf ein paar Kleinigkeiten gelangen die Stücke unter diesen extremen Bedingungen sehr gut, und erzeugte bei dem Publikum viel Beifall. Nach dem Auftritt musste es dann sehr schnell gehen.

…und im Trubel: Der Unfall

Aus eigenen Erfahrungen mit der Besonderheit von Auftrittssituationen hatten wir während der Proben, sowie vor dem Auftritt mit den Schüler_innen einige Regeln für die Zeit während des Auftritts sowie danach vereinbart. Dabei ging es insbesondere um die Prävention gefährlicher Situationen, wie das ‘Anrempeln’ während des Auftrittes, wobei auch Spielgeräte zu Schaden kommen könnten.

Hierunter fiel auch die Abmachung, die iPads direkt nach dem Auftritt auf der Bühne an siz.da zu geben, so dass sie diese in einer Tasche sicher verwahren konnte. Dieses Mal kam im Trubel der Ereignisse beim Abbauen ein iPad zu Schaden.

dfg

Im Eifer des Gefechtes ging ein Pad zu Boden. Zum ersten Mal in den letzten 4 Jahren. Ein Fall für die Versicherung.

Ein Schüler wollte nach dem Konzert beim Abbau auf der Bühne helfen und nahm deshalb gleich zwei Stative in die Hand, auf denen noch je ein iPad angebracht waren, um sie von der Bühne in den Vorbereitungsraum zu tragen. Kurz vor dem Erreichen der Eingangstür des Hauptgebäudes, in dem sich der Vorbereitungsraum befindet, rutschte ihm ein iPad aus der Stativfassung und fiel mit der Seite zu Boden. Dabei wurden das Gehäuse und das Displayglas beschädigt. Solche Fälle sind natürlich nicht auszuschließen, und hier gilt es Ruhe zu bewahren, denn letztlich ist dies ein Fall für die Versicherung.

Fazit: Trotzdem Happy

Auch wenn es nach dem Konzert etwas schnell ging und die beteiligten Kids der Appmusik-AG bei ihren Familien, und vor den Screen der Fussballübertragung, verschwanden, hatten waren siz.da und ich stolz auf das Erreichte. Es hat allen Beteiligten sichtlich Spaß gemacht und es gab noch ein paar nette Gespräche mit Eltern und Interessierten. Wir wussten, dass diese Aufführung letztlich eine Extremsituation gewesen war und waren stolz, dass aber alle Kids letztlich die Nerven behalten hatten und auf der Bühne gemeinsam musiziert wurde. Als wir gerade alle Geräte verstaut hatten und durchatmeten, fiel das Siegtor der DFB-Jungs.

sdf

Happy über das Spiel.

Auch im nächsten Schuljahr soll es an der Adolf Glaßbrenner Grundschule eine wöchentliche Appmusik-AG geben. Die Fördermittel des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung wurden für das Partnerprogramm Touching Music schon bewilligt. Daher möchte ich gern aufs Neue Schülerinnen und Schüler zur Appmusik-AG zum Musizieren mit Apps einladen.

Matthias Krebs ist Appmusiker, Diplom-Musik- und Medienpädagoge und wissenschaftlich tätig. Matthias Krebs ist Gründer und Leiter des Smartphone-Orchesters DigiEnsemble Berlin und beschäftigt sich im Rahmen seiner Promotion mit der Aneignung digitaler Musikinstrumente. Weitere Forschungsschwerpunkte betreffen: Digitale Medien in Lehre und Forschung, Kommunikation im Social Web, Netzkunst, digitale Musikinstrumente und Musiker-Selbstvermarktung. Er arbeitet und wirkt an der Universität der Künste Berlin als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ist als Lehrbeauftragter an mehreren deutschen Musikhochschulen tätig und leitet regelmäßig Appmusik-Workshops.


Kommentar verfassen