Zurück zum Papier

Julian Quack | 4. Januar 2016

Neues Schuljahr, neue Schule, neue Schüler. Ich war gespannt auf meine neue AG an der Reinhardswald-Grundschule im Herzen Kreuzbergs. Alle 8 Teilnehmer im Alter von 11-12 Jahren stammten aus einer 6. Klasse, was eine Kontinuität in Bezug auf Klassenfahrten oder Wandertage mit sich brachte.

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Allerdings merkte ich auch, wie sehr die Rollenverteilung innerhalb der Gruppe bereits festgefahren war, da sich der Großteil der Kinder bereits seit mehreren Jahren kannte. In den ersten Stunden sprachen wir gemeinsam über das Projekt, ihre musikalischen Vorlieben und erkundeten gemeinsam die Möglichkeiten der zahlreichen Apps.

Four to the Floor!

Für mich war es erstaunlich, wie sehr der Fokus in dem Alter auf elektronischer Musik lag und die Kinder unbedingt „Techno“ spielen wollten. Die Auswahl an Apps auf den Geräten bot natürlich beste Voraussetzungen dafür und so kamen in den ersten AG-Wochen Klassiker wie DM 1, Auxy, ThumbJam, Figure und SP Pro zum Einsatz. Jedoch fiel es schwer Song-Strukturen zu erarbeiten und so blieb es häufig bei musikalischen Skizzen, die nicht weiter aufgegriffen und ausgebaut wurden.

Holt mal eure Stifte raus

Die Lösung war denkbar einfach. Jeder in der Gruppe hatte natürlich seine Schreibmaterialien dabei und so wurden die iPads erst einmal zur Seite gelegt. Ziel war es nun, die Ideen zum eigenen Stück auf dem Papier zu entwickeln. So entstanden lauter Skizzen der jeweiligen Stücke. Es wurde gemalt, in Worten beschrieben wie die Musik klingen soll, bei einem Schüler wurde der Rhythmus des Schlagzeugs sogar in Notenschrift ausnotiert.

Nachdem die ersten Stücke auf dem Papier Form angenommen hatten, wagten wir uns dann an ein erstes Zusammenspiel. Hier wurde recht schnell deutlich, dass jedes der Kinder sehr eigene Klangvorstellungen hatte und sich am liebsten noch etwas länger mit der Entwicklung weiterer Ideen und der Suche nach den perfekten Sounds für den eigenen Track beschäftigen wollte.

Die perfekte App?

Die Tatsache, dass alle hauptsächlich auf der Suche nach Klängen waren, die in das Gesamtbild passen, war recht erstaunlich. Auch das jeder gerne für sich selbst Tracks produzieren wollte, war eine Situation die im Rahmen dieser AG relativ neu für mich war. Rückblickend fiel mir dann auf, dass eine der produktivsten Stunden stattgefunden hatte, als sich jeder mit Auxy beschäftigt hatte. Denn hier war es möglich einen kompletten Track im Alleingang zu produzieren.

Das einzige Manko war jedoch die relativ beschränkte Auswahl an Sounds, weshalb die App „beiseite“gelegt wurde. Gab es da nicht noch eine ähnliche App? Mit mehr Einstellungsmöglichkeiten, mit mehr Sounds, noch professioneller? Ja! Und zwar Korg Gadget. Hier lässt sich ähnlich wie in Auxy mit Loops arbeiten, es stehen aber deutlich mehr Spuren und Klangerzeuger zur Verfügung.

Jetzt heißt es tüfteln

Ich bin gespannt was morgen für Musik in der AG entstehen wird. Korg Gadget ist zwar deutlich komplexer als Auxy, aber übersichtlich aufgebaut und bietet zweifellos die Sounds nach denen geforscht wurde. Das Abschlusskonzert steht bald an und bis dahin muss noch einiges getan werden. Die Ideen sind da, die Technik auch.
Auf geht’s!

Sein Werdegang führte ihn über Rock und Metal bis hin zu einer klassischen Ausbildung am Instrument. Er wirkte bereits in zahlreichen Projekten in den Bereichen Theater, Tanz und Tonstudio mit. An app2music fasziniert ihn vor allem die Möglichkeit, unmittelbar künstlerische Ideen umsetzen zu können, egal mit welcher musikalischen Vorbildung man einsteigt. Die interessanteste App für ihn ist zur Zeit „Sector“ – kontrolliertes Chaos.


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