Zwischen Querflöten und verzerrten Gitarren

Erik Noack | 22. November 2015

Welche Songs haben mein Leben verändert oder mich begleitet? Wann höre ich gerne Musik und welche?

Diese Fragen wurden die letzten Wochen in der Stechlinsee Grundschule heiß diskutiert. Die eigenen Songvorlieben bieten unseren acht Songwriterinnen und Musikapp-Fans einen ersten Ideenfundus für einen eigenen Song. Die Themenfindung ist endlich vollbracht und die Mädels sind nun fleißig am komponieren und texten.

Woraus besteht ein Song?

Zunächst untersuchten wir Songs. Welche Struktur haben sie? – Ein erster wichtiger Schritt zum eigenen Song. Die App „Garageband“ eignet sich hervorragend für eine übersichtliche Visualisierung der verschiedenen Songteile. Die Aufteilung in eine vertikale Darstellung der Spuren und einer horizontalen Darstellung der Songteile erleichtert den Kindern das Erstellen eigener Songstrukturen. Andere Apps wie Soundprism oder Thumbjam werden aufgrund der interessanteren Soundmöglichkeiten oder wegen der Bespielbarkeit hinzugezogen und innerhalb Garagebands aufgenommen.

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Zwei Schülerinnen erkunden die App Soundprism

Zwischen Bleistift und Touchscreen

Beim Komponieren wird den Kindern bewusst worin der Unterschied zwischen Strophen und Refrains liegt. Wie soll eine catchige Hookline klingen und wie bzw. womit beginnt ihr Song überhaupt? Intros und Outros werden ebenso wichtiger Bestandteil wie spontane Klangexperimente.

Während sich einige Kinder völlig in die Musik vertiefen, beschäftigen sich andere mit den Songinhalten. Mit Mind-Maps werden Inhalte gesammelt und gebündelt, Reimlexika helfen passende Reime zu finden und der Austausch mit den anderen Songwriterinnen bietet immer ein gutes und konstruktives Feedback.

„analoge“ Hilfsmittel

 

Die „biografischen Inhalte“, die nicht nur während der Komposition entstehen sondern auch in sie einfließen, reichen von akustischen Momentaufnahmen wie lachen und klatschen aber auch live eingespielte Querflöten sowie verzerrten E-gitarrensamples im rock/metal-stil. Die Gitarre ist z.B dem Musikgeschmack des Bruders einer Schülerin zuzurechnen. Vor allem sind es aber die Erfahrungen und eigenen Vorlieben, die im persönlichen Bezug zur Musik zum Vorschein treten.

Inspiration und Erfahrung

Eine der Schülerinnen ließ sich von der Titelmelodie von Astrid Lindgrens „die Kinder von Bullerbü“ inspirieren um ihre eigene Komposition letztendlich mit Hilfe der App „Thumbjam“ aufzunehmen. Die Musik einer anderen Schülerin ist wiederum von harten Hip Hop-beats geprägt. Die größte Herausforderung besteht mittlerweile jedoch darin die große Fülle an Textideen an die Arrangements anzupassen, sprich Gesangsmelodien und ein Metrum zu entwickeln.

Was macht einen guten Song aus? Welcher Songteil braucht eine Ohrwurm-Melodie? Wie lang sollte ein Song ungefähr dauern? Ist Abwechslung wichtig?

Es ist spannend zu beobachten wie die unterschiedlichen Einflüsse in die persönlichen Werke zu Tage treten aber umso spannender wie sie letztendlich beim Abschlusskonzert live umgesetzt werden.

 

Erik

…ist Gitarrist und Songwriter. Maßgeblich beeinflusst ist er durch Heavy-Metal-Musik sowie dem „shredgenre“. Er ist größtenteils Autodidakt mit Weiterbildung an der Jazzschule Berlin und viel Liveerfahrung im Rock und Metalkontext: u. a. durch zahlreiche Festivalauftritte mit der „Maximaltechnogruppe“ Schluck den Druck. Seit April 2015 leitet er an Berliner Grundschulen Appmusik-AGs und ist begeistert von den digitalen und didaktischen Möglichkeiten in Bereich Songwriting und Bandarbeit, was mit Kindern ohne besondere musikalische Vorerfahrungen toll läuft. Soundprism sowie ThumbJam im „cello“-Mode begeistern ihn in Sachen Appmusik ganz besonders.


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