Instrumentenwerkstatt – Ich erfinde meine perfekte Musikapp

Julian Quack | 18. Februar 2016

Selbst zum Instrumentenbauer werden. Selbst festlegen, wie mein Instrument klingt und wie ich es spielen kann. In diesem Projekt erfinden Kinder und Jugendliche ihre eigenen Musikinstrumente mit Hilfe von Apps. Dazu bietet das Medium App einfache Tools und geht über Auswahl und Individualisierung noch hinaus: Von Modifikation bis hin zu Programmierung von Apps, von treiben lassen bis planen müssen.

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app2music geht in eine neue Runde: Instrumentenwerkstatt

Besonders die Praxis improvisierender Künstler_innen zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihre Instrumente erfinden und wieder-erfinden. Das eigene Instrument ist nie fertig, muss sich in neuen Situation stets erneut beweisen, ist Stätte steter Veränderungen.

Ziel unserer Projekte ist es, dass Kinder und Jugendliche sich im Medium der Musik mit Apps kreativ ausdrücken und kollektive ästhetische Erfahrungen machen. Begleitet werden sie dabei von je einem AG-Leitenden aus unserer Community professioneller Musiker_innen.

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Wie sieht deine perfekte Musikapp aus? Zeichnungen von Schüler_innen.

Das Thema Erfinden eigener Musikinstrumente sehen wir als künstlerischen Anlass den Fokus in einem Halbjahr auf den Klang und seine Steuerung zu lenken. Neben der kreativen Auseinandersetzung mit Farben, Formen, Symbolen, Bedienung und Bewegung erhoffen wir uns auch ein besseres Bewusstsein für das eigene musikalische Spiel bei den Schüler_innen.

Unser neues Projekt „Instrumentenwerkstatt – Ich erfinde meine perfekte Musikapp“ startet nun im zweiten Halbjahr im Februar 2016 und geht bis Juli 2016. Die Durchführung wird durch die beteiligten Schulen sowie durch eine Fördert vom Berliner Projektfonds für Kulturelle Bildung ermöglicht. Projektbeteiligte sind neben Schulen (Glaßbrenner Grundschule, Robert-Koch-Oberschule, Grundschule am Rüdesheimer Platz, Klax-Grundschule, Hermann-Ehlers-Schule, Reinhardswald-Grundschule,  Stechlinsee-Grundschule, Scharmützelsee-Grundschule, Bertolt-Brecht-Oberschule) auch die Forschungsstelle Appmusik an der UdK Berlin.

Ich erfinde meine perfekte Musikapp

Seit einem Jahr tauschen wir Musiker_innen uns regelmäßig über unsere Appmusik-AGs im Rahmen der app2music-Community aus. Dabei stoßen wir immer wieder auf folgende zwei Probleme:

  1. “Warum kann ich die Lautstärke dieser App nicht mit Bewegung regeln, bei der anderen ging das doch auch?” oder “Cooler Sound, aber die App lässt sich so schwer spielen” waren Sätze, die häufig beim Musikmachen in Appmusik-AGs von den Schüler_innen zu hören waren. Je öfter und besser die sie miteinander musizierten, desto höher wurden die Anforderungen an einzelne Musikapps. Mitunter endeten derartige Situationen mit: »Leider gibt es nicht DIE perfekte App, die alles kann, was wir wollen«. Das Projekt soll dieser einschränkenden Situation, Möglichkeiten größerer individuell-künstlerischer Handlungsräume eröffnen.
  2. Z.B. beim Komponieren beobachteten wir, dass einige AG-Teilnehmer_innen das erstbeste Sample, den erstbesten Groove nutzten. Dies machte den Schüler_innen zwar dennoch Spaß, erscheint jedoch innerhalb musikalischer Schaffensprozesse teils beliebig. Dieser eher kontemplativ-erlebensbezogenen Haltung soll das bewusst-reflexive künstlerische Entscheiden beim Musizieren mit Apps entgegengestellt werden.

In einem iterativen Schaffenszyklus werden die eigenen Musikapps erfunden, in divergierenden Situationen (Improvisieren, Komponieren etc.) kollektiv erprobt, die Apps verglichen und sukzessive weiterentwickelt. Abschließend werden die Apps und deren Möglichkeiten auf dem Projektblog vorgestellt und Eigenkompositionen im gemeinsamen Konzert präsentiert.

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Instrumentenbau als Kunstprojekt

Dabei verstehen wir die Entwicklung von Musikinstrumenten als ein Kunstprojekt. An den verschiedenen Berliner Schulen werden in den regelmäßig stattfindenden Appmusik-AGs von den verschiedenen Musiker_innen unterschiedliche Ansätze gewählt: Das Experimentieren mit Alltagsgeräuschen, das verfremden von herkömmlichen Instrumenten, die Programmierung von Modularen Synthesizern und mehr…

Dafür stehen uns Musiker_innen neben dem Instrumentarium in den Schulen und eigenen Musikinstrumenten auch eine Anzahl interessanter Musikapps zur Verfügung, die das explorative Entwickeln von Musikinstrumenten unterstützen.

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Wir freuen uns sehr über die Unterstützung der Schulen sowie die Bewilligung der Projektgelder durch den Berliner Projektfonds für unsere Projektidee.

Euer Projektverantwortlicher,

Julian Quack

 

Sein Werdegang führte ihn über Rock und Metal bis hin zu einer klassischen Ausbildung am Instrument. Er wirkte bereits in zahlreichen Projekten in den Bereichen Theater, Tanz und Tonstudio mit. An app2music fasziniert ihn vor allem die Möglichkeit, unmittelbar künstlerische Ideen umsetzen zu können, egal mit welcher musikalischen Vorbildung man einsteigt. Die interessanteste App für ihn ist zur Zeit „Sector“ – kontrolliertes Chaos.


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